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Herausgeber Wilfried Hub Handikap

Die Zeit ist schnelllebig. Viel zu schnelllebig. Leider. Die Top-Themen, die noch vor einigen Wochen tagelang die Zeitungsspalten füllten und die Nachrichten beherrschten, werden ganz schnell zum Ladenhüter, zu Themen, von denen die Öffentlichkeit kaum mehr Notiz nimmt. Dabei stellt sich die allgemeine Teilnahmslosigkeit oft genau dann ein, wenn das öffentliche Interesse besonders wichtig wäre. Die Rede ist vom Plauener Traditionsbetrieb Plamag. Anfang der Woche zog sich der nächste Kaufinteressent zurück. Die Zukunft des einstigen Manroland-Werkes ist damit wieder völlig offen. Doch es gab keinen Aufschrei in der Bevölkerung, keine Demonstrationen in der Plauener Innenstadt, keine Statements der Politiker – das Thema zieht nicht mehr.

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Bundeswehr Bigband bringt Plauen zum Swingen

310510 BigbandPlauen – Die erste zentrale Frage stellte sich zum Auftakt des Konzertes der BigBand der Bundeswehr am Samstag auf dem Plauener Altmarkt. Die zweite nach ihrem zweistündigen musikalischen Feuerwerk.

 

Beginnen wir mit der zweiten und damit nach der Höhe der in diesem Jahr gesammelten Summe für soziale Projekte in der Region: Überaus stattliche 7000 Euro. Damit wurden die 5000 Euro von vor zwei Jahren mal locker um fast ein Drittel überboten.

 
Erwartungsfrohe Stimmung
 
Doch der Reihe nach. Für Wiederholungstäter in Sachen BigBand-Konzert ist auch die fünfte Auflage so spannend wie die erste, denn die Profimusiker um Bandleader Christoph Lieder sähen sich in ihrer künstlerischen und militärischen Ehre verletzt, würden sie alle Jahre das gleiche Programm abspulen. Und deshalb kommen auch die Fans der ersten Stunde immer wieder in den Genuss neuer Arrangements, speziell für die „Truppe“ und teils von den Bandmusikern selbst geschrieben


Gegen 20 Uhr beginnt sich die gute Stube der Plauener zu füllen. Im Areal zwischen den altehrwürdigen Häusern herrscht eine gelassen-heitere, erwartungsfrohe Stimmung. Die einen haben sich ihre Klappstühle mitgebracht, die anderen machen es sich auf den Bänken um den Springbrunnen bequem und die ganz Cleveren haben sich die Plätze im Biergarten des „Heinrichs“ gesichert.


Die Crews von Sternquell haben die Hoheit über die Getränkeversorgung übernommen (auch die Becherentsorgung wurde ideenreich gelöst), und erstmals brutzeln Kiwanis-Mitglieder als die Initiatoren des Konzerts, die leckeren Roster selbst. Zwei Euro sind ein fairer Preis, schließlich werden die Einnahmen gespendet. Im Fanshop haben neben CDs und DVDs Plüsch-Teddys jeder Waffengattung Haltung angenommen. Wer sie erwirbt, tut Gutes für die Aktion „Sorgenkinder in Bundeswehrfamilien“.


Kurz vor halb neun, der Platz gut gefüllt, hat der Man in White seinen ersten großen Auftritt. Thomas Ernst, Moderator der Band. Schade, dass der Mann seinen Traumjob schon gefunden hat, in Unterhaltungs-Events des Fernsehens gäbe er eine beste Figur ab. Ernst sagt, dass die Band in diesem Jahr 30 Open Airs quer durch die Republik spielt, glaubt altbekannte Gesichter zu sehen und stellt später tatsächlich einen Rheinländer vor, der der Band von Ort zu Ort nachreist. Am Samstag waren es gerade mal 500 Kilometer.

 
Muss OB zum Bund?
 
Dann die Begrüßung von Kiwanis-Präsident Eckhard Sorger und Oberbürgermeister Ralf Oberdorfer. Der gibt sich locker, nennt Stabskapitänleutnant Ernst einen „tollen Hecht“, was er hätte lieber nicht tun sollen. Denn der hat die Pointen gepachtet, womit wir bei der eingangs erwähnten ersten zentralen Frage wären. Muss Oberdorfer zum Bund? Denn Ernst überlegt, den Rathaus-Chef zur Übung einzuziehen und auch gleich einen Termin zu machen. Als erster Spender und mit einem Fünfziger versucht Oberdorfer seinen Kopf aus dem drohenden Stahlhelm zu ziehen und eröffnet damit symbolisch die Spendenaktion.


Denn auch in diesem Jahr sind Prominente aus Politik, Wirtschaft, Sport und Vereinen im Zweierpack unterwegs, um möglichst viel Geld für soziale Projekte in der Region einzutreiben. Der Also-Verein wird bedacht werden, um eine Unterrichtskraft zu finanzieren, die sozial benachteiligten Kindern kostenlos Nachhilfeunterricht gewährt. Und auch der Parkeisenbahnverein braucht dringend etwas Bares, um die Fahrleitungsmasten zu reparieren. Die üblichen Zipperlein, wenn man den 50. Geburtstag hinter sich hat.


Für den guten Zweck, zu erkennen an ihren gelben T-Shirts mit dem „Ich bin dabei“-Aufdruck, haben sich parteiübergreifende Teams gebildet. Jeder Spender bekommt als „Beleg“ einen Button mit gleicher Aufschrift und nach zwei Stunden haben sich die Zuschauer in eine große „Ich bin dabei“-Familie verwandelt.
Zunächst aber entern Christoph Lieder und seine Männer die Bühne. Kurzer Salutschuss, das Versprechen auf zwei Stunden Swing, Latin, Rock und Pop und Gershwin zum Auftakt. Getreu des Mottos „Never change a Winner-Team“ gibt es danach das obligatorische Glenn Miller-Medley, was das ältere Ehepaar neben mir mit der Bemerkung quittiert „Ach, jetzt kommts, haben wir heute schon gehört.“ Richtige Fans hören sich eben schon zu Hause warm.

 
Schwarze Perle der Band
 
Und dann kommt sie. Weiblich, jung, ohne Dienstgrad. Bwalya aus Sambia, die schwarze musikalische Perle der Band. Hautenges gelbes Top, schwarze Leggins, saugeile Stimme. „Alway love you“, unterlegt mit Funkenfontänen und Riesenapplaus. Nicht weniger laut hörbare Streicheleinheiten für Thomas Inderka, der Stevie Wonder mit „Another Star“ mit einem Spezialarrangement für Trompete zu neuen Ehren verhilft. Auf den „Straßen von San Francisco“, der Kultserie aus den 70ern, liefern sich die beiden Drummer Thomas Lieven und Holger Hälbig ein musikalisches Duett. Ganz Profis, werfen sie am Ende des kraftraubenden Acts ihre Drummer-Stöcke ins Publikum.


Derweil schaut Maskottchen Max aus einem Fenster der dritten Etage von Haus Nummer 14 gen Bühne. Während der Teddy ungeschoren davon kommt, wird der am Nachbarfenster stehende CDU-Fraktions-Chef Hansjoachim Weiß, selbst Spendeneintreiber, von Thomas Ernst erst mal zur Kasse gebeten. Und weil der Profi weiß, wie man am besten für den Bund wirbt, tut er das mit der hübschen Wehrdienstberaterin aus Zwickau im Range eines Oberleutnants. 60 Ausbildungsberufe bietet die Bundeswehr an, dazu 20 Studiengänge. Näheres im riesigen Informations-Truck gleich neben der Bühne. Und da braucht die blonde Oberleutnantin nur den Mund aufzumachen, schon füllt sich der Truck mit jungen Kerlen. Auf der Bühne geht es spanisch weiter, bevor Bwalya mit Superstimme und neuem Outfit „Goldfinger“ und „Myself“ singt. Da schlägt die Uhr gerade 21.45 Uhr und für die Kicker im Spiel gegen Ungarn die Gunst der Stunde: 3:0, wie Ernst in die Menge ruft.


In ihren selbst komponierten „Coffee Shop“ laden nun Bassist Rainer Peters und Keyboarder Phuong Nam Nguyen Cong ein. Lecker musikalisches Getränk, was die Band wohl auch über Sternquell sagen dürfte, denn in den wohl verdienten kleinen Pausen im Backstage greift man gern zum kommunalen Gerstensaft.

 
Ralph Winter als Freddy
 
Swalya glänzt noch mal mit „Dont you away“, bevor Ralph Winter den Freddy Mercury gibt. Der glanzvolle Abschluss-Block mit „I‘m want to be free“, „We will rock you“ und „We are the Champions“. Winter bringt Sommer ins Gemüt und sogar ein bissschen Hoffnung, dass das mit den Champions in Südafrika doch noch was werden könnte. Zeitgleich mit einem auf die Bühne knallenden Barhocker zünden die Techniker ein Feuerwerk, die Party kulminiert. Jim Knopf von der Parkeisenbahn samt seiner „Kiwanis-Bande“ werden zwecks Spenden-Verkündung auf die Bühne geholt. Kiwanis-Pressesprecher Prof. Lutz Kowalzick überreicht Bwalya nicht nur Blumen sondern ein Küsschen, und die Sambierin verabschiedet das Publikum mit „Amaising Craze“. Man sieht sich, spätestens in zwei Jahren. Versprochen, Herr Stabskapitänleutnant Ernst?

 

Von Torsten Piontkowski

 

2010-05-31




Kommentar zu Bundeswehr Bigband bringt Plauen zum Swingen?

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