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Die Zeit ist schnelllebig. Viel zu schnelllebig. Leider. Die Top-Themen, die noch vor einigen Wochen tagelang die Zeitungsspalten füllten und die Nachrichten beherrschten, werden ganz schnell zum Ladenhüter, zu Themen, von denen die Öffentlichkeit kaum mehr Notiz nimmt. Dabei stellt sich die allgemeine Teilnahmslosigkeit oft genau dann ein, wenn das öffentliche Interesse besonders wichtig wäre. Die Rede ist vom Plauener Traditionsbetrieb Plamag. Anfang der Woche zog sich der nächste Kaufinteressent zurück. Die Zukunft des einstigen Manroland-Werkes ist damit wieder völlig offen. Doch es gab keinen Aufschrei in der Bevölkerung, keine Demonstrationen in der Plauener Innenstadt, keine Statements der Politiker – das Thema zieht nicht mehr.
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Gastronom geht in Plauen auf die Straße
Hammerbrücke / Plauen – Der Termin steht fest: In der Hammerbrücker „Futter- und Schnitzelstube“ laufen die Vorbereitungen für die Demonstration gegen die Willkür des Plauener Finanzamtes“.
Am 20. September, 16 Uhr, ist es soweit. Mit bis zu 150 Teilnehmern auf dem Plauener Altmarkt rechnet Organisator Gerhard Kaltscheuer. Am Donnerstagnachmittag hat er die Genehmigungen der Stadt Plauen und vom Ordnungsamt des Vogtlandkreises erhalten.
Gerhard Kaltscheuer und seine Lebensgefährtin Regina Unger sind die Betreiber der Hammerbrücker „Schnitzelstube & Futterstube“. 38 000 Euro sollen die beiden für die vergangenen drei Jahre nachzahlen. Das hat eine Steuerprüfung vor einigen Wochen ergeben (wir berichteten). Im Raum steht der Vorwurf der Steuerhinterziehung. Zu Unrecht, sagt Kaltscheuer und beklagt sich über die vom Prüfer „willkürlich angewandte Kalkulation ohne Hand und Fuß“.
Steuerprüfer D. wirft den Bistro-Betreibern vor, mehr Portionen als angegeben verkauft zu haben – und mit den Gewichtsangaben vor dem Finanzamt getrickst zu haben. Dem widerspricht Kaltscheuer energisch. Die vorgelegte Kalkulation des Prüfers entspreche nicht ansatzweise der Realität.
Das Finanzamt könne sich generell nicht zu einzelnen Steuerfällen äußern, hieß es dort auf Anfrage.
Was er sich wünscht? „Gerechtigkeit. „Ein vernünftig, sachliches Gespräch mit dem Finanzamt und eine nochmalige ordentliche Prüfung“, so Kaltscheuer. „Wenn wir die 38 000 Euro zahlen müssen, dann können wir zusperren“, fügt er hinzu.
Auch an die Industrie-und Handelskammer (IHK) Chemnitz habe sich Kaltscheuer gewandt. „Doch diese hält sich raus, da sie keine Rechtsbelehrungen machen dürfen“, sagt der Wahl-Hammerbrücker.
Seit 2006 betreiben Kaltscheuer und seine Lebensgefährtin das Bistro – im lange Zeit leer stehenden ehemaligen Spar-Markt gleich am Ortseingang neben der ehemaligen VOBA Hammerbrücke. Vor allem viele Arbeiter aus dem Ort und der Umgebung sind wochentags Stammgäste zur Frühstücks- und Mittagszeit.
Sogar Pläne für den Abendbetrieb liegen laut Kaltscheuer bereits in der Schublade – ab 1. August sollte an fünf Tagen abends geöffnet werden. Das Ganze wurde erst einmal verschoben, bis die Sache mit dem Plauener Finanzamt geklärt ist, sagt Kaltscheuer.
Auch das Sächsische Finanzministerium ist seit rund einer Woche über den Fall informiert – der Brief Kaltscheuers blieb bisher allerdings unbeantwortet.
Nach der ersten Zeitungsveröffentlichung habe es laut Kaltscheuer Zuspruch von vielen Seiten – nicht nur von seinen Gästen – gegeben. Tenor: „Kämpfe weiter“. Deshalb auch die Demonstration am 20. September auf dem Plauener Altmarkt. Der entsprechende Aufruf (siehe Foto) liegt im Hammerbrücker Bistro aus.
Ein großes Plakat soll bis zur Demo entstehen und ein Dutzend kleinere. Mit Megafon will Kaltscheuer dann auf seinen Fall aufmerksam machen. „Auch für Fragen stehe ich natürlich zur Verfügung“, so Kaltscheuer. Vielleicht ja auch von Betroffenen mit ähnlichen Problemen. Ursprünglich sollte die Kundgebung vor dem Finanzamt im Plauener Behördenzentrum stattfinden. Doch auf dem Altmarkt hofft Kaltscheuer, mehr Publikum erreichen zu können.
Die Genehmigungen für die Demonstration waren recht schnell da. Die Kommunikation mit den zuständigen Stellen in Reichenbach und Plauen verlief reibungslos, freut sich Gerhard Kaltscheuer.
Auch das MDR-Fernsehen ist laut Kaltscheuer an dieser Angelegenheit interessiert. Ein Bericht von der Demonstration in Plauen sei geplant – womöglich auch ein Beitrag bereits im Vorfeld.
Einige Mitarbeiter vom Fernsehsender kennen den Ort des Geschehens in Hammerbrücke ganz genau. Bei Dreharbeiten im Oberen Vogtland sind die MDR-Angestellten oft hier zu Gast, erzählt Gerhard Kaltscheuer. M.W.
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