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Herausgeber Wilfried Hub Handikap

Die Zeit ist schnelllebig. Viel zu schnelllebig. Leider. Die Top-Themen, die noch vor einigen Wochen tagelang die Zeitungsspalten füllten und die Nachrichten beherrschten, werden ganz schnell zum Ladenhüter, zu Themen, von denen die Öffentlichkeit kaum mehr Notiz nimmt. Dabei stellt sich die allgemeine Teilnahmslosigkeit oft genau dann ein, wenn das öffentliche Interesse besonders wichtig wäre. Die Rede ist vom Plauener Traditionsbetrieb Plamag. Anfang der Woche zog sich der nächste Kaufinteressent zurück. Die Zukunft des einstigen Manroland-Werkes ist damit wieder völlig offen. Doch es gab keinen Aufschrei in der Bevölkerung, keine Demonstrationen in der Plauener Innenstadt, keine Statements der Politiker – das Thema zieht nicht mehr.

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Nema Netzschkau zeigt sich kampfbereit

DGB: „Wehrt Euch gegen den Raubtierkapitalismus“

 

130310 DemoNetzschkau – Sicherung der 178 Arbeitsplätze in Netzschkau, heißt das Ziel der Nema-Werker. Sie, die Mitarbeiter des von Schließung betroffenen Betriebes, hatten am Donnerstag zur Demo auf den Netzschkauer Markt gerufen. Mehr als 500 Leute kamen.


Organisiert wurde die Kundgebung von der IG Metall. Deren Bevollmächtigter Stefan Kademann begrüßte in einer mitreißenden Rede auch Vertreter anderer gefährdeter Betriebe. „Jeder stirbt hier für sich allein. Damit muss endlich Schluss sein“, forderte er. „Lasst uns zusammen für unsere Arbeitsplätze kämpfen.“ Er mahnte die Vogtländer zur Einigkeit: Ob Nema, Manroland Plamag, Neoplan, Saxas Werdau oder Enka, mit den Industriearbeitsplätzen verschwinde ein Stück Zukunft aus der Region.


Von Politikern forderte Kademann entschlossenes Handeln für die Menschen. Er kritisierte die Haltung des sächsischen Wirtschaftsministeriums, das nicht in Erscheinung trete, und Guido Westerwelle mit seiner Hartz IV-Debatte bekam ebenfalls den Zorn des Gewerkschafters zu spüren. Beim Landrat, der verhindert war, vermisste Kademann Aussagen zur Zukunft der Region. Noch immer werde mit Billiglöhnen im Vogtland geworben, obwohl jeder wisse, dass Lohnverzicht keine Arbeitsplätze sichere – auch bei der Nema nicht, bei der es keinen Tarifvertrag gebe.


Trotzdem wolle der GEA-Konzern, zu dem die Nema gehört, das Werk schließen – auch wenn es schwarze Zahlen schreibe. Mit Blick auf die GEA-Konzernzentrale sagte Kademann: „Heute ist nur der Anfang. Wenn es ganz eng wird, fahren wir nach Bochum.“ „Unsere Produktion soll noch in diesem Jahr geschlossen werden“, verkündete Dieter Feist, Nema-Betriebsratsvorsitzender. „Die ingenieurtechnischen Leistungen sollen weitergeführt werden, um einen Gesamtverkauf des Werkes zu verhindern.“ Feist sprach von interner Marktbereinigung: Die Nema war einer der größten GEA-Konkurrenten, als der Bochumer Konzern das vogtländische Werk vor zwei Jahren kaufte. Offenbar sollte ein Konkurrent ausgeschaltet werden. Feist fragte nach der sozialen Verantwortung des Konzerns für die 178 Netzschkauer Mitarbeiter und forderte erneut, die Nema aus dem GEA-Konzern heraus zu lösen.


Traurig über die Entwicklung des einstigen Netzschauer Großbetriebes zeigte sich Bürgermeister Werner Müller. „Ich spreche als alter Nema-Werker zu euch“, sagte Müller mit Blick auf seine jahrelange Tätigkeit in dem Betrieb. Er forderte vom GEA-Konzern die Chance, den Betrieb mit seinem Traditionsnamen weiterzuführen. Die Wirtschaftskrise werde für solche Betriebsschließungen wie in Netzschkau als Vorwand genommen, sagte die DGB-Chefin und Bundestagsabgeordnete Sabine Zimmermann. Man müsse sich gegen den Raubtierkapitalismus wehren.


Die Redner appellierten allesamt an die Politiker, mit für die Arbeitsplätze zu kämpfen. Solidaritätsbekundungen erhielten die Nema-Werker von Klaus Wirth, dem Enka-Betriebsratsvorsitzenden, der lange Zeit für den Erhalt des Elsterberger Werkes gekämpft hatte und von Betriebsrat Klaus Zimmermann von Manroland Plamag Plauen.     mr

 

2010-03-12




Kommentar von _Detlef Streich am 14.03.2010; 20:08:21 Uhr

Kommentar zu Nema Netzschkau zeigt sich kampfbereit

Die Krise ist vorbei...zumindest für die Superreichen dieser Welt. In vielen Tageszeitungen, so auch im Vogtland-Anzeiger, wurde von der Konsilidierung der Vermögen berichtet. Ihr Reichtum ist lt. einem "Spiegel"-Bericht um 50% gestiegen und hat fast wieder den Stand von 2008 erreicht. Die Top-Ten kamen im Krisenjahr 2009 auf 254Mrd.$. Im Vergleich der Haushalt der Bundesrepublik umfasst 290Mrd.€. Die Krise ist vorbei... allerdings nicht bei den Arbeitnehmern der NEMA, die um ihren Arbeitplatz gebracht werden, bei denen von Neoplan und Manroland die von Stellenabbau bedroht sind, auch nicht die ENKA-Arbeiter die schon um ihren Arbeitsplatz gebracht wurden. "Jeder stirbt hier für sich allein. Damit muss endlich Schluss sein", wie wahr, dazu bedarf es aber größere Aktionen und es müssen sich viel mehr solidarisch zeigen, denn es kann morgen auch dein Arbeitsplatz sein.

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