Hub-Blog "Ansichtssache" jeden Samstag neu...

Herausgeber Wilfried Hub Handikap

Die Zeit ist schnelllebig. Viel zu schnelllebig. Leider. Die Top-Themen, die noch vor einigen Wochen tagelang die Zeitungsspalten füllten und die Nachrichten beherrschten, werden ganz schnell zum Ladenhüter, zu Themen, von denen die Öffentlichkeit kaum mehr Notiz nimmt. Dabei stellt sich die allgemeine Teilnahmslosigkeit oft genau dann ein, wenn das öffentliche Interesse besonders wichtig wäre. Die Rede ist vom Plauener Traditionsbetrieb Plamag. Anfang der Woche zog sich der nächste Kaufinteressent zurück. Die Zukunft des einstigen Manroland-Werkes ist damit wieder völlig offen. Doch es gab keinen Aufschrei in der Bevölkerung, keine Demonstrationen in der Plauener Innenstadt, keine Statements der Politiker – das Thema zieht nicht mehr.

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Milchbauern sind sauer

Kuh31Plauen/Tirschendorf – Der Unmut der vogtländischen Milchbauern wird lauter. Was Verbraucher freut, führt bei Milchviehhaltern zu drastischen Existenzsorgen: Der Milchpreis, den die Bauern von der Molkerei bekommen, ist so niedrig wie nie zuvor. „Aktuell liegt der Grundpreis bei 23,5 Cent pro Kilo Milch“, erklärt Henry Schulz, Vorstandsvorsitzende der Agrargenossenschaft Tirschendorf und zugleich Regionalchef des Bauernverbandes.

 

Kostendeckend wäre ein Erzeugerpreis von 35 Cent. Als die Milchbauern im vergangenen Jahr auf die Straße gingen, lag der Milchpreis noch bei 32 Cent, angepeilt war damals 40 Cent. „Unsere genossenschaftliche Molkerei Vogtlandmilch war deutschlandweit die erste, die 40 Cent bezahlte“, so Schulz weiter, „etwa ein halbes Jahr lang. Dann sank das Niveau auf 32 und Ende des Vorjahres auf 28 Cent“. Da zu den günstigen Konditionen von 40 Cent pro Kilo die Milchbauern tüchtig produzierten, „sind wir an dem Preisverfall nicht ganz unschuldig“, erklärt Schulz und ergänzt, „die Ursachen sind aber weitgefächerter“. Zum einen sei Ende 2008/09 für die Milchbauern das Auslandsgeschäft weggebrochen und zum anderen hätten die Discounter die Preise für Milcherzeugnisse immer weiter gedrückt.

 

 „Deutschland lieferte 44 Prozent der erzeugten Milchprodukte ins Ausland, hauptsächlich nach Indien und China. Als dann mit der Krise die Nachfrage sank und riesige Milchmengen in Deutschland vorrätig waren, gerieten die Preise unter Druck. Einzelhandelsunternehmen überboten sich mit Billigangeboten an Milchprodukten. Inzwischen sind Milch und Butter billiger zu haben als Mineralwasser und Margarine. Und die Molkereien sind bestrebt, in den Geschäften weiterhin gelistet zu werden. So läuft alles auf den Rücken der Bauern ab“, so Schulz.
 Nachdem im Vorjahr der damalige Bundeslandwirtschaftsminister Horst Seehofer beim Milchgipfel in Berlin, bei dem vom Bauern bis zur Lebensmittelbranche alle Beteiligten am Tisch saßen, die Verpflichtung aussprach, den Milchpreis nie wieder unter 35 Cent fallen zu lassen, fordert Schulz jetzt Taten. „Wir erwarten vom Handel, dass Milchprodukte wieder als edle Erzeugnisse angesehen und nicht verramscht werden. Nur so machen wir nicht bei jedem Kilo Milch 10 Cent Verlust. Und von der Politik erhoffen wir Unterstützung, dass das Auslandsgeschäft wieder angekurbelt wird.“
 Schulz gehört zu jenen, die zum Stichtag 31. März 2015 die Milchquotenreglung in Deutschland und in der EU auslaufen lassen wollen. „Sie ist mehr Hindernis als Regulator“, sagt er. Vier Mal im Jahr hätten die Milchbauern die Möglichkeit, an der inländischen Milchbörse Quote und damit Lieferrechte zu kaufen. 25 bis 65 Cent zahlen sie dabei pro Kilo. „Die Agrargenossenschaft Tirschendorf hat für ihre 440 Kühe eine Quote von drei Millionen Kilo Milch im Jahr. Wenn diese Lieferrechte überschritten werden, drohen Strafabgaben in immenser Höhe. Ein Landwirt muss auf dem Markt frei produzieren und verkaufen können, deshalb würde ich die Quote lieber heute als morgen fallen sehen. Es gibt aber auch Verfechter der Quotenreglung, wie beispielsweise den Bund der Milcherzeuger. Die Bauernschaft ist also gespalten“, so Schulz.
 Betroffen vom Preisverfall am Markt ist auch das Getreide. Eine Entspannung ist nicht in Sicht. „Das macht es den Bauern in allen Bereichen schwer. Auch deshalb, weil die Landwirte keine finanziellen Reserven haben. Und wer seinen Hof mit Fördermitteln umgebaut hat, kann so einfach nicht aufgeben. Mindestens 15 Jahre müssen die Betriebe erhalten werden, sonst müssen die Gelder zurückgezahlt werden“, sagt Schulz. Die 90 Millionen Euro, die aus dem EU-Konjunkturpaket zusätzlich für die Milchbauern fließen sollen, seien auch nur ein Tropfen auf den heißen Stein.  M. T.




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