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Die Zeit ist schnelllebig. Viel zu schnelllebig. Leider. Die Top-Themen, die noch vor einigen Wochen tagelang die Zeitungsspalten füllten und die Nachrichten beherrschten, werden ganz schnell zum Ladenhüter, zu Themen, von denen die Öffentlichkeit kaum mehr Notiz nimmt. Dabei stellt sich die allgemeine Teilnahmslosigkeit oft genau dann ein, wenn das öffentliche Interesse besonders wichtig wäre. Die Rede ist vom Plauener Traditionsbetrieb Plamag. Anfang der Woche zog sich der nächste Kaufinteressent zurück. Die Zukunft des einstigen Manroland-Werkes ist damit wieder völlig offen. Doch es gab keinen Aufschrei in der Bevölkerung, keine Demonstrationen in der Plauener Innenstadt, keine Statements der Politiker – das Thema zieht nicht mehr.
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Hygiene-Ampel: Gastronomen im Vogtland haben Zweifel
Die Verbraucherschutzminister der Länder haben mit ihrer Entscheidung in dieser Woche, eine Hygiene-Ampel für Gaststätten in Deutschland einzuführen, eine Debatte unter den Gastronomen losgetreten. Die vogtländischen Wirte haben noch viele Fragen und sind vor allem skeptisch.
Plauen/Auerbach – Die geplante Einführung einer so genannten Hygiene-Ampel für Restaurants ab 2012 stößt bei den vogtländischen Gastronomen auf Bauchschmerzen. Sie zweifeln den Erfolg an und fühlen sich mit einem solchen Kontroll-Barometer teilweise vorgeführt. Die Gäste hingegen befürworten die Sauberkeits-Liste, die nicht über den Geschmack, sondern nur über die Hygiene informieren soll.
„Kontrollen müssen sein, aber dies finde ich nicht toll. Die Leute wissen sowieso von selbst, wohin sie gehen können. Wenn die Gäste auf die Toilette gehen, wissen sie, wie das Gesicht der Gaststätte ist“, sagt der Vogtland-Anzeiger Koch-Profi Ditter Stein aus Syrau. Es komme immer auch auf die Situation an, in der die Hygienekontrolleure unangekündigt in der Küche auftauchen. Im Stress können Fehler passieren, so Stein: „Wenn nach einer großen Veranstaltung nur vergessen wird, ein Stück Fleisch zu entsorgen, dann ist der Gastronom dem Fehler die ganze Zeit bis zur nächsten Kontrolle ausgesetzt. Das ist an den Pranger stellen von einem Menschenschlag, der nichts dafür kann.“
Es werde das Personal fehlen, um gleichmäßig die Gaststätten zu kontrollieren, meint Ulrich Fiedler vom Restaurant „Zum Kerkermeister“ in Auerbach. Der Inhaber ist gegen die Ampel: „Das ist bitterernst fürs Geschäft. Ich finde es kindisch.“ Fiedler, der auch Mitglied im Deutschen Hotel- und Gaststättenverband (Dehoga) Sachsen ist, hat starke Zweifel: „Da ist ein schmutziger Schwamm im Waschbecken schon ein Kriterium. Das ist eine Wettbewerbsverzehrung, die daraus entstehen kann. Die Gastronomie muss wieder herhalten. Warum fängt man nicht mit den Fleischern oder Bäckern an?“
Gegen eine Hygiene-Ampel an der Tür ihrer Gaststätte hätte Margarete Karavasizis vom griechischen Restaurant „Sirtaki“ in Plauen nichts einzuwenden. „Ich würde es befürworten. Viele Leute können ja nicht in die Töpfe schauen und sehen immer nur den vorderen Bereich.“ Die 45-Jährige ist sich sicher, wie alle anderen befragten Betreiber in unserem Artikel, ohne Probleme die grüne Ampel zu bekommen. Ihr Restaurant betreibt sie seit acht Jahren in Plauen. Ihre persönliche Sauberkeitsregel: „Ein Gastronom, der Wert auf gutes Essen legt, hat sowieso eine saubere Küche.“
Die Dehoga will die Ampel stoppen. Der Verband sieht den Grundsatz der Verhältnismäßigkeit nicht gewahrt. „Dieses System ist geeignet, Existenzen zu gefährden“, sagt Verbandspräsident Ernst Fischer. Das Kontrollergebnis sei immer eine Momentaufnahme. „Es ist bedenklich, dass beim geplanten Ampel-Konzept der Gastronom keinen Anspruch auf eine zeitnahe Regelkontrolle oder eine Nachkontrolle hat. So kann es nicht sein, dass nach Beseitigung aller festgestellten Mängel eine Negativbewertung im Eingangsbereich den Betrieb jahrelang als schlecht geführt deklariert, auch wenn er inzwischen hygienisch einwandfrei ist. Das ist unverhältnismäßig“, so Fischer weiter.
Vogtländern schmeckt‘s
Die Menschen im Vogtland befürworten mehrheitlich in einer Umfrage die Einführung der „Hygiene-Ampel“.
„Wenn mir eine Gaststätte beim ersten Besuch schon schmuddelig vorkommt, dann gehe ich da auch nicht mehr hin – egal, ob eine Hygiene-Ampel an der Tür ist. Wichtig ist, dass mehr als bisher in den Betrieben kontrolliert wird. Die rote Ampel halte ich für Rufmord.“ Frank Beer
„Schlecht wäre es nicht. Ich finde es gut, Frage mich aber, ob alle Gaststätten bis zur Einführung so schnell kontrolliert werden können. Es gibt so viele Kneipen. Es kommt auch darauf an, für was eine gelbe Ampel zum Beispiel genau steht, aber ich glaube, ich würde dann in die Gaststätte nicht mehr gehen.“ Susi Erhardt
„Das ist eine sehr gute Idee. Ich möchte mir nicht vorstellen, wie es in manchen Gaststätten aussieht – beispielsweise bei Fastfood oder Imbissen. Bei einem Praktikum in einem Hotel habe ich mal schlechte Erfahrungen gemacht, die Küche war so, dass ich da nicht essen würde. Ich denke aber, dass es zu wenig Kontrolleure dafür geben wird.“ Peter Süßengut
Von Martin Reißmann
2011-05-20
Kommentar zu Hygiene-Ampel: Gastronomen im Vogtland haben Zweifel ?
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