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Herausgeber Wilfried Hub Handikap

Die Zeit ist schnelllebig. Viel zu schnelllebig. Leider. Die Top-Themen, die noch vor einigen Wochen tagelang die Zeitungsspalten füllten und die Nachrichten beherrschten, werden ganz schnell zum Ladenhüter, zu Themen, von denen die Öffentlichkeit kaum mehr Notiz nimmt. Dabei stellt sich die allgemeine Teilnahmslosigkeit oft genau dann ein, wenn das öffentliche Interesse besonders wichtig wäre. Die Rede ist vom Plauener Traditionsbetrieb Plamag. Anfang der Woche zog sich der nächste Kaufinteressent zurück. Die Zukunft des einstigen Manroland-Werkes ist damit wieder völlig offen. Doch es gab keinen Aufschrei in der Bevölkerung, keine Demonstrationen in der Plauener Innenstadt, keine Statements der Politiker – das Thema zieht nicht mehr.

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Glasbau am Plauener Rathaus der DDR-Zeit geschuldet

060112 RathausDie Diskussion um die Neugestaltung des Plauener Rathauses ist gestartet. Bei einer Bürger-Informationsveranstaltung am Donnerstagabend stellte Architekt Silvio Lux Denkrichtungen für eine Sanierung des Gebäudes vor. Das Interesse war groß.

Von Martin Reißmann

Plauen – Mit einer unerwartet hohen Beteiligung ist Donnerstagabend im Plauener Rathaus der Auftakt für die öffentliche Diskussion um die Neugestaltung des Plauener Rathauses erfolgt. Im Großen Ratssaal nahm Architekt Silvio Lux die rund 200 Anwesenden, darunter Architekten, Bauingenieure, Fachleute und Laien, zunächst auf eine geschichtliche Reise über die Entwicklung des Plauener Rathauses mit. 

Seit Oktober bereitet sein Architekturbüro die geplante Sanierung des Eingangsbereiches vor. Die erarbeiteten Daten und Informationen sollen die Grundlage für alle weiteren Schritte sein. Nach der umfangreichen Vorstellung der seit 1976 bestehenden Glasfassade und deren Innenleben, zeigte Lux auf, was bei einer Neugestaltung alles möglich ist und was dabei zu bedenken ist. Der Architekt betonte nochmals, dass es sich nicht um Varianten, sondern um Denkansätze und Möglichkeiten handelt. Wichtig sei auch, dass es nicht nur um die äußere Gebäudegestaltung gehe. 

Die notwendige Sanierung der verschlissenen Fassade biete auch die Chance, aus heutiger Sicht bestehende Mängel zu korrigieren. Als Beispiele nannte Lux den „erdrückenden“ Eingangsbereich, der selbst bei Sonnenschein dunkel und düster wirkt, oder das unübersichtliche Foyer, wo der Nicht-Plauener nicht wisse, durch welchen „Schlitz“ er müsse.

Noch Lücken hat die Aufarbeitung der damaligen Ereignisse beim Punkt Neubau 1976. Der Bauauftrag wurde damals an ein Architektenbüro im tschechischen Karlsbad (Karlovy Vary) vergeben. Nach der Wende löste sich das Büro jedoch auf. Heute verliert sich jede Spur. Hilfe könnte Silvio Lux nun von einigen Plauenern bekommen, die am Donnerstag im Rathaus dabei waren und in den 1970er Jahren den Bau verfolgten oder dafür zuständig waren. Das Interesse zum Thema Rathaus-Sanierung am Donnerstagabend im Rathaus beeindruckte Lux. Viele Plauener meldeten sich am nächsten Tag telefonisch bei ihm und gaben Tipps oder weitere Informationen. So könne eventuell ein Professor aus Leipzig helfen.

Warum die Glasfassade des Rathauses damals so gebaut wurde, wie sie heute noch ist, kann Günter Weis erklären. Der Diplomingenieur hatte zu dieser Zeit ein Planungsbüro im Rathaus. Die Projektplanungen und Arbeiten bekam er täglich mit. Demnach habe es drei Möglichkeiten gegeben. Die einfachste wäre gewesen, das durch eine Bombe im Zweiten Weltkrieg zerstörte Gebäude als Mahnmal ähnlich wie lange Zeit die Frauenkirche in Dresden stehen zu lassen. Der zweite Aspekt war ein Wiederaufbau der alten Struktur. Doch dies war auf Grund der damaligen Gegebenheiten zu DDR-Zeiten nicht möglich. Man kam nicht an die benötigten Baumaterialien ran. Die Fassade des Rathauses besteht aus Kalkstein, der aus dem Raum Schweinfurt stammt und sich damit im unerreichbaren Westen befand. Für einen Import reichten die Kapazitäten nicht, erinnert sich Weis. Die Stadtväter einigten sich auf eine individuelle Lösung nach damaligen Gestaltungsprinzipien, die Richtung Stahl-Beton-Glas-Bauwerke gingen.

Gute Fördermöglichkeiten

Ein Plauener wollte am Donnerstag im Ratssaal von Oberbürgermeister Ralf Oberdorfer (FDP) wissen, was sich die Stadt denn überhaupt leisten könne? Der OB gab sich zuversichtlich. Genaue Zahlen wollte er nicht nennen, aber die Bedingungen seien gut. Besonders die Fördermöglichkeiten, die bis 2016 für den Standort feststehen, machen Oberdorfer optimistisch. Er rechne mit einer finanziellen Unterstützung durch Bund und Land von mindestens zwei Drittel der Gesamtsumme. Oberdorfer ergänzte die umfangreiche Präsentation von Silvio Lux mit den Worten, dass nicht mehr Platz für Büros eingeplant werden sollten. Wenn das Landratsamt am Postplatz seine Arbeit aufnimmt, sitzen 200 Mitarbeiter weniger im Rathaus.

Stimmen aus der Bürger-Informationsveranstaltung im Rathaus:

Peter Schmeißer
„Die Glasfassade ist nicht würdig für Plauen“, sagt Bauingenieur Peter Schmeißer. Die Gestaltung entspreche nicht mehr unserem Anspruch. Schmeißer sei froh, dass die marode Fassade jetzt die Stadt zwingt, etwas Neues zu errichten. „Es muss eine Offenheit innen und außen hergestellt werden.“ Kritisch merkte der Plauener auch den Zugang für behinderte Menschen an, der sich im Innenhof des Gebäudes und nicht mit im Haupteingangsbereich befindet.

Bernd Müller
Bei dem Projekt sollten sich die Beteiligten nicht zu sehr in die Historie rein denken, meint Architekt Bernd Müller. Zudem sollten die Kollegen, die in den 1970er Jahren das Gebäude bauten, heute nicht so verteufelt werden. Man müsse ein neues und einmaliges Ensemble finden, dass sich zwischen die beiden noch bestehenden historischen Rathausflügel links und rechts einordnet. „Haben Sie Vertrauen in die Fachleute“, appellierte Müller an alle Plauener.

Eckhard Wacker
Wir brauchen nicht noch einen Glas-Beton-Bau in Plauen, meint Eckhard Wacker. Davon gebe es bereits genug in der Stadt. Entgegen „konservativer Meinungen“ würde der Kritiker des Horten-Umbaus zum Landratsamt eher ein modernes Rathaus sehen wollen.

Dr. Gerd Kramer
„Die Dachform ist ein Grauen“, findet Historiker Dr. Gerd Kramer, Mitglied im Verein Vogtländische Geschichte. Ihm habe bereits 1976 zur Fertigstellung des Gebäudes die Form nicht gefallen. „Man sollte von dieser Fassadengestaltung Abstand nehmen, das Bauwerk passt nicht hier rein.“

Eberhard Eisel
Die Veranstaltung im Großen Saal des Rathauses sei für den Beginn der öffentlichen Diskussion sehr gut gewesen, sagt Architekt Eberhard Eisel. „Es geht um Funktion und Gestaltung.“

Maria Fromme
„Ich bin froh, dass die Hässlichkeit wegkommt. Dass man sich nicht mehr schämen muss, wenn man Touristen das Rathaus zeigt“, sagt die frühere Pädagogin Maria Fromme. Die Gründerin der Frauenselbsthilfe-Gruppe nach Krebs in Plauen wünscht sich einen Entwurf, der auch in 100 Jahren noch vorzeigbar wäre.

2012-01-06





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