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Die Zeit ist schnelllebig. Viel zu schnelllebig. Leider. Die Top-Themen, die noch vor einigen Wochen tagelang die Zeitungsspalten füllten und die Nachrichten beherrschten, werden ganz schnell zum Ladenhüter, zu Themen, von denen die Öffentlichkeit kaum mehr Notiz nimmt. Dabei stellt sich die allgemeine Teilnahmslosigkeit oft genau dann ein, wenn das öffentliche Interesse besonders wichtig wäre. Die Rede ist vom Plauener Traditionsbetrieb Plamag. Anfang der Woche zog sich der nächste Kaufinteressent zurück. Die Zukunft des einstigen Manroland-Werkes ist damit wieder völlig offen. Doch es gab keinen Aufschrei in der Bevölkerung, keine Demonstrationen in der Plauener Innenstadt, keine Statements der Politiker – das Thema zieht nicht mehr.
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Geschichte | 800 Jahre Vogtland

Von Mathias Ebert
Plauen – „Henricus, advocatus de Wyda“ ist der älteste auffindbare Titel für einen der im späteren Vogtland an der Weißen Elster eingesetzten Verwalter und Richter der deutschen Könige und römischen Kaiser. Dieser „Heinrich, Vogt von Weida“ taucht erstmals in einer Urkunde aus dem Jahr 1209, das heißt vor genau 800 Jahren, auf.
Dabei handelt es sich um die Bestätigung von Schenkungen, die der Vater des Vogts von Weida, Heinricus de Wyda, und seiner beiden gleichnamigen Brüder dem Prämonstratenserstift Mildenford (Mildenfurth) gemacht hatte. Das Kloster der Prämonstratenser, eines den Augustinern ähnlichen Ordens, am Zusammenfluss von Elster und Weida wurde 1193 von Heinrich II. von Weida, genannt der Reiche, gegründet. Er wollte damit den Tod seines Bruders in der Kindheit sühnen, an dem er sich schuldig glaubte.
Gründer der Prämonstratenser-Ordens im Jahr 1120 war der heilige Norbert von Xanten, von 1126 bis 1134 Erzbischof von Magdeburg. Der Ort Mildenfurth wurde damals als „schlavisca villa“, als „slawisches Dorf“ gekennzeichnet. Mildenfurth ist heute ein Ortsteil der Gemeinde Wünschendorf („Windischendorf, Wendendorf“) unweit von Weida, und das Kloster wird nach einer wechselhaften Geschichte seit den 90er Jahren wieder als Kulturzentrum genutzt.
Die Familie der Heinrichinger
An den Flüssen zwischen Saale und Pleiße siedelten seit dem 8. Jahrhundert westslawische Stämme, die man als Wenden oder Sorben bezeichnete. Sie sind mit den Polen und Tschechen verwandt. Dabei handelte es sich um eine relativ dünne Besiedlung der waldfreien Gebiete, Offenlandschaften, an den Flüssen. Die Slawen waren in so genannten Gauen, losen Stammesverbänden, wie Dobna (um Plauen) und Gera, organisiert. Von ihnen rührt eine Vielzahl von slawischen Ortsnamen her, wie zum Beispiel Plauen („Plawe“) oder Chrieschwitz.
Seit dem 10. Jahrhundert versuchten die deutschen Könige, die aus dem Ostfrankenreich hervorgingen, das Sorbengebiet unter ihre Kontrolle zu bringen. Es sollte nicht mehr als Stützpunkt für Raubzüge fremder Stämme, wie der Ungarn, gegen das deutsche Königreich dienen. So wurden im 10. Jahrhundert neue Grenzmarken mit Burgen angelegt, und im Jahr 968 das Erzbistum Magdeburg mit den Bistümern Zeitz (später Naumburg), Merseburg und Meißen zur Christianisierung unter den Slawen gegründet. Im Jahr 999 schenkte der deutsche Kaiser Otto III. seiner Schwester Adelheid, der Äbtissin des 936 gegründeten Damenstifts Quedlinburg, das Gebiet Gera an der Weißen Elster. Zur Verwaltung wurden durch das Stift Quedlinburg Vögte eingesetzt. Bereits im 9. Jahrhundert hatte es an der Saale eine „sorbische Mark“ („limes sorabicus“) oder Thüringer Mark zwischen Ostfranken, den Vorfahren der Deutschen, und Slawen gegeben.
Ab etwa 1100 wurde von den deutschen Königen und römischen Kaisern das Land östlich der Saale endgültig unter deutsche Kontrolle gebracht, christianisiert und später von deutschen Kolonisten weiter gerodet und besiedelt. Besonders unter den Hohenstaufen (1138 bis 1254) wurde im 12. und 13. Jahrhundert das neue Reichsterritorium zwischen Altenburg, Eger und Nürnberg ausgebaut. Es entstanden das Pleißenland, das Egerland und das Vogtland als Reichslehen. Ab etwa 1150 intensivierte sich die bäuerliche Rodungs- und Kolonisierungsbewegung in diesen Gebieten. Eine führende Rolle im Elstergebiet, dem späteren Vogtland, spielten dabei die Grafen von Everstein, die für 1122 in Plauen (Dobnagau) nachgewiesen sind, die Vögte von Weida, die Vögte von Straßberg sowie das Lobdeburger Adelsgeschlecht. Neue deutsche Dörfer und Städte entstanden. Die slawische Bevölkerung wurde relativ schnell assimiliert.
Die Familie der Vögte von Weida oder der Heinrichinger, wie sie auch nach ihrem Vornamen genannt werden, kam im 12. Jahrhundert als ursprünglich im nördlichen Thüringen beheimatete Ministerialen – unfreie Verwaltungsbeamte – in das Gebiet beiderseits der Weißen Elster. Als Stammvater gilt Erkenbert I. von Weida, der im Jahr 1122 die Weihe der Johanniskirche in Plauen mitbeurkundete. Das Geschlecht wurde vom Stauferkaiser Friedrich I. Barbarossa (1122 bis 1190) für den Ausbau des Reichs und zur siedlungsmäßigen Erschließung des Elstergebiets als Reichsvögte eingesetzt und spielte in diesem Territorium schon bald die führende Rolle. Zu Ehren seines Sohnes Kaiser Heinrich VI. (1165 bis 1197) tragen seit mehr als 800 Jahren alle männlichen Angehörigen des Geschlechts bis heute den Vornamen Heinrich.
Der seit 1180 urkundlich belegte Heinrich II. von Weida verfügte um 1200 über einen Herrschaftsbereich, der den Raum von Gera, Weida, Ronneburg, Greiz und Plauen umfasste und im Osten bis nach Schmölln und Werdau reichte. Auch das Regnitzland um Hof und noch südlichere Gebiete um Asch und Selb gehörten zum Territorium der Vögte. Mit dem Niedergang des Stauferkaisertums, 1235 Absetzung von König Heinrich (VII.) durch seinen Vater Kaiser Friedrich II., und den nachfolgenden Thronwirren in der Interregnumszeit (1245 bis 1273) konnten die Vögte ihr Lehensgebiet zur eigenen Landesherrschaft ausbauen.
Besitz geteilt
Bereits zu Anfang des dreizehnten Jahrhunderts teilten die Söhne Heinrich II. von Weida ihren Besitz. Heinrich III. der Ältere erhielt Weida und Ronneburg, Heinrich IV. der Mittlere Gera und einen Teil von Plauen, und Heinrich V. der Jüngere Greiz und den anderen Teil von Plauen. Nach dem kinderlosen Tod Heinrich des Jüngeren 1240 fand um 1244 erneut eine Teilung statt. Dadurch entstanden die Linien der Vögte von Weida (1531 erloschen), von Gera (1550 erloschen) und von Plauen. Die Linie der Vögte von Plauen teilte sich um 1306 erneut in die ältere oder burggräfliche Linie von Plauen (1572 erloschen) und die jüngere oder Reuß von Plauen zu Greiz, die bis heute existiert. Aus Reuß von Plauen zu Greiz gingen die bis 1918 in Greiz und Gera regierenden Fürsten Reuß ältere und jüngere Linie hervor.
Leider ist das Original der Urkunde von Mildenfurth aus dem 13. Jahrhundert – wie viele andere Dokumente aus dem Mittelalter – heute nicht mehr erhalten. Uns ist diese Urkunde nur in einer Abschrift aus dem Jahr 1510 übermittelt, die der Propst von Mildenfurth für einen Prozess wegen der Weiderechte gegen die Gemeinde Großfalka benötigte. In den Wirren um die Aufhebung des Klosters Mildenfurth in der Reformationszeit 1529 bis 1530 ging das gesamte Klosterarchiv verloren. Die Urkundenabschrift bildet die Grundlage, dass wir in diesem Jahr 800 Jahre Land der Vögte, oder „terra advocatorum“, wie man es im Mittelalter auf Latein nannte, begehen können. Aber mit Sicherheit ist das Vogtland noch ein bisschen älter.
2009-07-08
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