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Die Zeit ist schnelllebig. Viel zu schnelllebig. Leider. Die Top-Themen, die noch vor einigen Wochen tagelang die Zeitungsspalten füllten und die Nachrichten beherrschten, werden ganz schnell zum Ladenhüter, zu Themen, von denen die Öffentlichkeit kaum mehr Notiz nimmt. Dabei stellt sich die allgemeine Teilnahmslosigkeit oft genau dann ein, wenn das öffentliche Interesse besonders wichtig wäre. Die Rede ist vom Plauener Traditionsbetrieb Plamag. Anfang der Woche zog sich der nächste Kaufinteressent zurück. Die Zukunft des einstigen Manroland-Werkes ist damit wieder völlig offen. Doch es gab keinen Aufschrei in der Bevölkerung, keine Demonstrationen in der Plauener Innenstadt, keine Statements der Politiker – das Thema zieht nicht mehr.
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Filztuchfabrik mit Schornstein in Rodewisch gesprengt
Rodewisch – Es wirkte beinahe so, als ob selbst die Natur den Atem anhielt: Kurz vor der Sprengung des Schornsteins und Teile des Hauptgebäudes der ehemaligen Filztuchfabrik in Rodewisch hörte es plötzlich auf zu regnen. Alles wartete am Mittwoch gebannt darauf, dass die Industrie-Ruine in sich zusammen fiel.
Die Stille an der B 169 in Richtung Wernesgrün wurde kurz nach 14 Uhr durch die Detonationen unterbrochen. „Alles ist gut verlaufen“, bilanzierte Sprengmeister Uwe Bernhardt. In wenigen Sekunden war ein Teil Rodewischer Stadtgeschichte verschwunden. Über 135 Jahre gehörte die Filztuchfabrik zu Rodewisch, ehe dieses Jahr die Abrissbagger anrückten und bereits einen Großteil des Gebäudes niederrissen. Einige Zuschauer des gestrigen Spektakels blickte mit ein wenig Schwermut darauf, wie die ehemalige Arbeitsstelle oder einfach ein gewohnte Blick auf ewig verschwand.
Ganz anders verlief die Sprengung für Uwe Bernhardt. Auf ihm lag die gesamte Verantwortung. „Es war schon eine anspruchsvolle Aufgabe. Wir mussten allein 1192 Bohrungen vornehmen und diese mit Sprengladungen und Zündern versehen.“ Eine Woche lang wurde deshalb nur gebohrt. Allein 150 Kilogramm Sprengstoff wurden verwendet, um den Schornstein und das Gebäude aus Stahlbeton zu Fall zu bringen. Dass alle Berechnungen stimmten, davon überzeugte sich Bernhardt kurz nach 14.15 Uhr selbst. Der Schornstein war wie geplant parallel zur Bundesstraße gefallen. Während des Falls war der 65 Meter hohe Ziegelbau in zwei Stücke zerbrochen. Auch das Fabrik-Hauptgebäude stürzte wie gehofft in sich zusammen. Mit vier gestaffelten Detonationen innerhalb von vier Sekunden und weiteren im Millisekunden-Bereich brach zuerst der Mittelteil und kurz danach die beiden Außentürme zusammen.
Eine Staubwolke hüllte die Fläche um den Wernesbach ein. Umliegende Häuser waren deshalb extra mit 5000 Quadratmetern Vlies geschützt worden. In 300 Metern Umkreis wurden alle Gebäude geräumt, und die B 169 eine knappe halbe Stunde gesperrt.. Polizei und Feuerwehr sicherten das Gebiet ab. Auch davor, dass Schaulustige sich unnötig in Gefahr begeben. Einer von ihnen war Steffen Barth. Der Werdauer war selbst vor zwei Jahren noch im Filztuchfabrik-Gebäude: „Das hat sich in letzter Zeit zu einem Mekka für Fotografen alter Industriegebäude entwickelt.“ Sprengungen hautnah miterlebt habe er noch nicht so viele. Anders Sprengmeister Uwe Bernhardt. Für ihn war es die 77 Schornstein- und 19 Gebäudesprengung. Marcus Schädlich
2009-11-06
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