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Die Zeit ist schnelllebig. Viel zu schnelllebig. Leider. Die Top-Themen, die noch vor einigen Wochen tagelang die Zeitungsspalten füllten und die Nachrichten beherrschten, werden ganz schnell zum Ladenhüter, zu Themen, von denen die Öffentlichkeit kaum mehr Notiz nimmt. Dabei stellt sich die allgemeine Teilnahmslosigkeit oft genau dann ein, wenn das öffentliche Interesse besonders wichtig wäre. Die Rede ist vom Plauener Traditionsbetrieb Plamag. Anfang der Woche zog sich der nächste Kaufinteressent zurück. Die Zukunft des einstigen Manroland-Werkes ist damit wieder völlig offen. Doch es gab keinen Aufschrei in der Bevölkerung, keine Demonstrationen in der Plauener Innenstadt, keine Statements der Politiker – das Thema zieht nicht mehr.
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"Einen Hubschrauberflug wünsche ich mir"
Plauen – Am 8. Mai 1929 wurde Ruth Müller-Landauer in der Syrastraße in Plauen geboren, schräg gegenüber vom Neupert Verlag, in dem „Das lustige Neideitel – Buch“ von Franz Neupert verlegt wurde. „Dass ich mal die Neideitel werde, daran hätte ich damals wohl nie gedacht. Wir haben ja direkt beim Neupert vor der Tür gespielt und mein Großvater hat die Bücher gesammelt“, erinnert sie sich.
1939 begann sie mit dem Tanzen im Plauener Kinderballett. Später nahm sie Schauspiel- und Gesangsunterricht. Ihre Berufswünsche waren Sportlehrerin oder Soubrette. Von der Körpergröße her war sie allerdings für viele Engagements zu klein. So schlug sie eher Solo-Pfade ein und bekam eine Verpflichtung in Plauen. Ihre erste große Gesangsrolle war die Jolan in ,,Zigeunerliebe“. 1952 ging sie nach Greiz und spielte dort einige Rollen, wie zum Beispiel die Christel in „Der Vogelhändler“ oder das Räubermädel in der „Schneekönigin“.
Pepi gehört zu Lieblingsrollen
Viele Bilder gibt es aus der Zeit, die die Plauenerin auf der Bühne zeigen. Eine schöne Frau in tollen Kostümen und attraktiven Männern an ihrer Seite. Auf die Frage, was ihr Mann dazu sagte, wenn sie doch auf der Bühne so umschwärmt wurde, lächelt sie und sagt: „Mein Mann ist ja leider schon verstorben, aber wir waren seit 1952 zusammen und 51 Jahre verheiratet. Ihn hat es nicht gestört, aber er hatte auch nie Grund, sich darüber Sorgen zu machen.“ Nach sechs Jahren in Greiz ging sie für ein Jahr nach Gera. Dort spielte sie eine ihrer bis heute liebsten Rollen, die Pepi in „Wiener Blut“, aber auch ,,Saison in Salzburg“ und einige andere. 1959 verabschiedete sie sich von der Bühne, denn ihr erstes Kind kam auf die Welt.
Von da an widmete sie sich voll und ganz ihren insgesamt drei Kindern, zwei Söhnen und einer Tochter, die sie mittlerweile zur achtfachen Oma machten. Auch ihre Familie hat einen Bezug zur Musik oder zum Tanzen in die Wiege gelegt bekommen. Während die Enkelinnen gern tanzen, sind die beiden Söhne in der bekannten Gruppe „Landluper“ aktiv.
Als ihre Kinder dann etwas größer waren, begann sie 1970 mit einer Tanz AG in der Friedensschule wieder ihrer Passion nachzugehen. Fast 20 Jahre später gründete sie den Verein „Vergißmeinnicht“, der nach ihrer Lieblingsblume benannt wurde. Zwischen drei und 80 Jahren sind die Mitglieder des Vereins alt. Auch 28 behinderte Menschen gehören dazu. In acht Tanzgruppen wird mehrmals in der Woche fleißig geübt. Die Choreografien erstellt Ruth Müller-Landauer nach wie vor für alle selbst.
„Nur bei den ganz modernen Sachen wie Hip Hop bringen die Mädchen von anderen Workshops die Ideen mit und ich helfe ihnen dann bei der Umsetzung“,erklärt die leidenschaftliche Tänzerin.
Auf vielen öffentlichen Terminen und zu Festen treten die Mädels und sechs Jungs auf. Außerdem gibt es ein 50-minütiges, vogtländisches Programm, bei dem es eine Trachtenschau, typische Tänze, Musik von den Landlupern und Sprüche von der Neideiteln gibt.
De Neideiteln gab es nie
Letzteres wurde Ruth Müller-Landauer eher durch Zufall. Bei einem Fest in Plauen lief sie mit ein paar Kindern als Marktfrau umher. Nachdem viele riefen: „Schaut mal, die Neideitel“, wurde sie von den Plauenern zu der gemacht.
In dieser Zeit beschäftigte sie sich nochmal ausgiebig mit dem geschichtlichen Hintergrund und stellte fest, dass es die Figur „Neideitel“ als Person nie gab. Es seien lediglich Witz- und Sprüchesammlungen aus aller Welt. Trotzdem verkörpert sie dieses zu Plauen gehörende Unikat mit ebensolcher Hingabe, wie die vielen anderen Funktionen, die sie in ihrem Leben begleitete.
Voller Tatendrang und Energie setzt sie sich immer wieder neue Ziele. So geht es nach ihrem Geburtstag mit einer Reisegruppe nach Kufstein. Ihre weiteste Reise sei wohl bisher nach Alma Ata gegangen, sagt sie. Ein Traumreiseziel ist und bleibt der Baikal. „Den wollte ich immer sehen. Das Land und diese Weite ist so faszinierend“, schwärmt die unternehmungslustige Frau.
Heißluftballon war sagenhaft
Außerdem sei sie schon immer gern geflogen. „Fliegen war immer meine Welt. Zum 70. habe ich von meiner Familie eine Heißluftballonfahrt geschenkt bekommen. Das war ein sagenhaftes Erlebnis. Ich hätte da ja aber noch einen Wunsch. Ich möchte sehr gern mal mit einem Hubschrauber fliegen“, erzählt sie. Ihren Geburtstag feiert sie heute mit ihrer Familie.
„Wie ich meine Familie kenne, haben die sicher wieder eine Überraschung für mich. Irgend etwas haben sie bestimmt geplant“, weiß die seit heute 80-Jährige, unglaublich jung und unterhmungslustig gebliebene Plauenerin. Der Vogtland-Anzeiger schließt sich den Glückwünschen an die agile Jubilarin natürlich an. Mögen sich Ihre eigenen beuflichen und privaten Pläne genau so erfüllen, wie Sie sich das vorstellen, liebe Frau Müller-Landauer.
Stefanie Rössel
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