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Die Zeit ist schnelllebig. Viel zu schnelllebig. Leider. Die Top-Themen, die noch vor einigen Wochen tagelang die Zeitungsspalten füllten und die Nachrichten beherrschten, werden ganz schnell zum Ladenhüter, zu Themen, von denen die Öffentlichkeit kaum mehr Notiz nimmt. Dabei stellt sich die allgemeine Teilnahmslosigkeit oft genau dann ein, wenn das öffentliche Interesse besonders wichtig wäre. Die Rede ist vom Plauener Traditionsbetrieb Plamag. Anfang der Woche zog sich der nächste Kaufinteressent zurück. Die Zukunft des einstigen Manroland-Werkes ist damit wieder völlig offen. Doch es gab keinen Aufschrei in der Bevölkerung, keine Demonstrationen in der Plauener Innenstadt, keine Statements der Politiker – das Thema zieht nicht mehr.
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Die Urkraft eines Menschen erleben
Plauen - Sie war wohl die berühmteste Künstlerin Mexikos, die patriotische, geniale, lebensfrohe, sinnlich schöne Malerin Frida Kahlo. Ungeachtet ihres gnadenlosen Schicksals, das sie ans Bett fesselte, dem sie sich mit unglaublicher Energie entwand, dem sie ihren Willen aufzwang, bis sie der Schwanengesang des Todes von den Schmerzen erlöste.
Ein einzigartiges Leben führte diese Frau, angefüllt bis zum Rand mit Rastlosigkeit und Unternehmungsgeist wieder jegliche medizinische Prophezeiung. Frida Kahlo lebte exzessiv, sie bewältigte ihre Kunst, ihre Reisen, ihre Gier nach Neuem, ihre Liebe und Amouren, ihre seelischen und körperlichen Schmerzen mit unendlich viel Lebensmut, mit Charme, Phantasie und Kreativität. Bronislav Roznos, der Choreograph, weiß um die Lebenskraft dieser besonderen Frau. Er greift sowohl ihre Daseinsfreude, als auch ihre Bitternisse auf, versucht sie nachzuzeichnen, setzt sie in Bewegung, in getanzte Elemente, die realistischer, empathischer, berührender nicht sein können. Schon im Bühnenbild von Robert Schrag sind die Disharmonien, die wechselweise vom Glück und Leid geschüttelte Lebendigkeit der Malerin enthalten. Fünf Räume in verschiedenen Ebenen, die durch diverse Schleier und Vorhänge mit optischen Überschneidungen spielen, suggerieren die Gebrochenheit und zwangsläufige Regellosigkeit der fundamentalen Kraft dieser Künstlerin.
Wohl platzierte Bildprojektionen vom Unfallgeschehen, von vielen ihrer Gemälde, von sichtbaren, gedanklichen Metaphern tragen zum Verständnis des Geschehens bei. Farbige Lichtreflektionen, mitreißende Musikkonserven und Live-Gitarrenklänge von dem brillanten Gitarristen Andreas Gemeinhardt, ergänzen die Wirkung der Bilder. Auf fünf Tänzerinnen verteilt Bronislav Roznos die außergewöhnliche Vielfalt im Gefühlsleben und in der Bedeutung von Frida Kahlo, fünf Mal ineinander greifende Dramatik, fünf Mal getanztes Einfühlen in ein und dieselbe Person. Dazu die beiden Partner, die eine größere Rolle in Fridas Leben spielten: zunächst der Freund Alejandro Gómez Arias und später ihr Gatte Diego Rivera, der ebenfalls berühmte Maler.
Der Zuschauer erlebt in anderthalb Stunden die Urkraft eines Menschen, die es vermochte, die Ketten einer Krankheit - Gipshüllen, Stahlkorsetts, Fehlgeburten, Rollstuhl - zu sprengen. Er erfährt die Liebe der Künstlerin zu Mensch und Natur, er wird konfrontiert mit ihrer Eifersucht, ihren Ängsten, ihren Martern, ihrem Zorn und er wird Zeuge des Ausbrennens ihres Bewusstseins, ihres Sterbens auf dem Dornenbett. Es war der Abgesang von Bronislav Roznos und seiner Riege, belohnt mit tosendem Applaus, sein letztes Werk, in dem er sogar selbst mittanzte.
Er übertraf damit alles, was er bisher an wunderbaren und spektakulären Tanztheatern inszenierte. Ich denke, im Namen all seiner Verehrer, seines Publikums, zu sprechen, wenn ich ihm in seinem neuen Wirkungskreis weiterhin sprühenden Geist, außerordentlichen Ideenreichtum, beständiges Glück und Gesundheit wünsche!
Ingrid Schenke
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