Hub-Blog "Ansichtssache" jeden Samstag neu...
Die Zeit ist schnelllebig. Viel zu schnelllebig. Leider. Die Top-Themen, die noch vor einigen Wochen tagelang die Zeitungsspalten füllten und die Nachrichten beherrschten, werden ganz schnell zum Ladenhüter, zu Themen, von denen die Öffentlichkeit kaum mehr Notiz nimmt. Dabei stellt sich die allgemeine Teilnahmslosigkeit oft genau dann ein, wenn das öffentliche Interesse besonders wichtig wäre. Die Rede ist vom Plauener Traditionsbetrieb Plamag. Anfang der Woche zog sich der nächste Kaufinteressent zurück. Die Zukunft des einstigen Manroland-Werkes ist damit wieder völlig offen. Doch es gab keinen Aufschrei in der Bevölkerung, keine Demonstrationen in der Plauener Innenstadt, keine Statements der Politiker – das Thema zieht nicht mehr.
Bundesregierung besorgt über Spielsucht
LMBV: Braunkohlesanierung kostet noch viel Geld
Altmaier zu Umweltminister ernannt
OECD warnt vor Rezession in der Euro- Zone
Deutschland darf kriminelle EU- Bürger ausweisen
Das Wetter heute in:
Schnelleinstieg:
Kinowelt
Schlagzeilen von Vogtland-Anzeiger.de
Meinungen und Vorschläge
Sie haben einen Leserbrief zu einem aktuellen Thema in unserer Zeitung? Dann schicken Sie diesen bitte direkt an unsere Redaktion. Auch wenn Sie einen Themenvorschlag aus dem Vogtland oder Kritik haben, können Sie uns informieren. redaktion@vogtland-anzeiger.de oder nutzen Sie unser Kontaktformular.
Täglich aktuelle Nachrichten
Täglich aktuelle Nachrichten bekommen Sie mit unserem RSS-Feed. Kopieren Sie einfach den Link in Ihren Feed-Reader oder legen Sie ihn als dynamisches Lesezeichen in Ihrem Browser an. >> RSS-FEED: Vogtland-Anzeiger.de
>> RSS-FEED: Vogtland-Sport.de
>> Unsere Nachrichten auf Ihrer Seite
>> Service: Was ist RSS?
Aktuelle Umfrage:
Vogtland-Anzeiger Newsletter
"Die Lunte ist verdammt kurz"
Plauen – Die ersten Strahlen der Frühlingssonne tauchen den Platz vor den Toren des Plauener Druckmaschinenherstellers manroland in ein freundliches Licht. Dass hinter den Toren nicht irgendwann das Licht ausgeht wollen die Männer und Frauen verhindern, die sich gestern zu einer Art Signal-Demonstration trafen.
Der Begriff „Signal“ fällt immer wieder – bei der kurzen Ansprache von Betriebsrat Frank Zimmermann an seine Kollegen, bei den Worten des IG-Metallers Stefan Kademann und denen der Bundestagsabgeordneten der Linken, Sabine Zimmermann. Seit Anfang März gilt für die Belegschaft von manroland Kurzarbeit.
Man versuche, auf diese Weise durch das Tal zu kommen, macht der Betriebsrat den Leuten Mut. Und ruft sie auf, nein, bittet sie, Ruhe zu bewahren. Denn Entlassungen stünden in Plauen nicht an, entgegen der Meldung eines Radiosenders, der am Morgen die Maschinenbauer kalt getroffen hat. Nicht in Plauen, wohl aber in Heidelberg, wo 5000 Beschäftigte gehen müssen, wohl aber bei Planeta in Radebeul, wo es 850 Leute trifft. Dort, so der Betriebsrat, habe vor kurzem ein knallharter Sanierer das Ruder übernommen. Eine schlechte Nachricht, auch vor dem Hintergrund, dass die Anteilseigner den man-Vorstand unter Druck setzen könnten. „Haltet euch an die geschlossenen Verträge, so wie wir“, ruft Zimmermann dem imaginären Widerpart zu. An die Anteilseigner wolle man ein Signal senden. Inhalt: Die Plauener sind der einzige Druckmaschinenhersteller in Deutschland mit einer positiven Bilanz. Das Krisenmanagement stecke in den Arbeitern selbst. Und vor allem: „Wir sind eine selbstbewusste Belegschaft, die verdammt gute Druckmaschinen baut.“
Sabine Zimmermann macht es kurz, verweist aufs große Ganze. Das Krisental sei noch lange nicht erreicht. Wenn die Regierung 480 Milliarden Euro zur Rettung der Banken ausreicht, dann bedeute dies nicht nur eine 6000-Euro-Bürgschaft pro Bürger dieses Landes. Dann mache sich auch ein millliardenschwerer Rettungsschirm für den Erhalt von Arbeitsplätzen erforderlich.
Kurz vor der Demo hat Kademann bereits klare Worte gefunden: „Wir haben eine Scheißangst, dass hier dasselbe passiert wie in Heidelberg.“ Seine Befürchtungen haben einen realen Grund. „Für Druckmaschinen gibt es keine Abwrackprämie.“ Die best gemeinten Konjunkturprogramme in Deutschland greifen nicht, wenn in China, Amerika oder Indonesien keiner mehr Druckmaschinen kaufe. Das sagt er später auch den Kollegen. Kademann heißt immer Klartext: „In der Region Plauen, Zwickau und Annaberg gibt es 45 000 Kurzarbeiter. Wir sitzen auf einem Pulverfaß und die Lunte ist verdammt kurz.“
Umso wichtiger sei es – da ist es wieder – ein Signal zu setzen, bevor Jobs kaputt gehen: an den Vorstand von manroland, die Anteilseigner, die Politik. „Leute, lasst das nicht mit euch machen, wehrt euch, geht auf die Straße“, sagt Kademann und freut sich diebisch, dass er damit jemanden zitiert – Norbert Blüm, der ja nun wirklich nicht als Linker gelte. „Das ist mir runtergegangen wie Öl“, fügt Kademann an, und den Kollegen geht es nicht anders. „Sollten wir kämpfen müssen, will ich euch alle vor diesem Tor wiedersehen“, hatte der Betriebsrat seinen Kollegen mit auf den Weg gegeben.
Zeitgleich zur Demo in Plauen fanden auch Veranstaltungen bei den zum Unternehmen gehörenden Druckmaschinenherstellern in Heidelberg und Augsburg statt. tn
Kommentar zu "Die Lunte ist verdammt kurz" ?
Vogtland-Anzeiger jetzt kostenlos testen
Täglich das ganze Vogtland in einer Zeitung und zum günstigsten Zeitungspreis in der Region: Lesen Sie den Vogtland-Anzeiger mit unserem Probeabo zwei Wochen völlig kostenlos. >> mehr dazu...






