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Die Zeit ist schnelllebig. Viel zu schnelllebig. Leider. Die Top-Themen, die noch vor einigen Wochen tagelang die Zeitungsspalten füllten und die Nachrichten beherrschten, werden ganz schnell zum Ladenhüter, zu Themen, von denen die Öffentlichkeit kaum mehr Notiz nimmt. Dabei stellt sich die allgemeine Teilnahmslosigkeit oft genau dann ein, wenn das öffentliche Interesse besonders wichtig wäre. Die Rede ist vom Plauener Traditionsbetrieb Plamag. Anfang der Woche zog sich der nächste Kaufinteressent zurück. Die Zukunft des einstigen Manroland-Werkes ist damit wieder völlig offen. Doch es gab keinen Aufschrei in der Bevölkerung, keine Demonstrationen in der Plauener Innenstadt, keine Statements der Politiker – das Thema zieht nicht mehr.
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Denise Roth, Björn Kircheisen und der VFC Plauen
Das Geheimnis ist gelüftet, die besten vogtländischen Sportlerinnen, Sportler und Mannschaften des Jahres 2008 stehen fest: Eisschnellläuferin Dennis Roth, der Nordische Kombinierer Björn Kircheisen und die Fußballer des VFC Plauen haben bei der Sportler-Umfrage die meisten Stimmen erhalten. Sie standen somit am Samstag bei der Sportgala 2009 in der Markneukirchner Musikhalle auf dem Siegerpodest. Rund 1100 sportbegeisterte Vogtländer erlebten eine bunte Schau und hautnah solche prominente Sportler wie die erfolgreichste deutsche Olympionikin aller Zeiten, Birgit Fischer, den Boris Becker der Lüfte, Dieter Thoma, den DDR-Nationalspieler und Torjäger Joachim Streich sowie den derzeitigen Abwehrspieler bei Energie Cottbus, Daniel Ziebig.
3 Millionen Euro Sporthilfe
So temperamentvoll die Sportgala am Samstagabend mit den „CVO-Cheerleader“ aus Oelsnitz begann, so schwungvoll blieb sie bis zum Ende. Volkhardt Kramer hatte mit seinem Organisationsteam und zahlreichen Sponsoren, die trotz Krise ein Zeichen setzten, wieder einmal ganze Arbeit geleistet. Und auch das zwölfte Mal in Folge ließ es sich die RTL-Moderatorin Ulrike von der Groeben nicht nehmen, an Kramers Seite durchs Programm zu führen. „Ich bin schon eine echte Wahlvogtländerin geworden und komme gern hierher, auch wenn ich die 570 Kilometer von Köln bis Markneukirchen fast nur im strömenden Regen gefahren bin“, sagte die immer jung gebliebene 52-Jährige.
Ob es nun an der charmanten Mönchengladbacherin liegt, oder auch nicht – seit ihrem Dabeisein gibt es alljährlich einen Scheck für die vogtländische Sporthilfe, die 1998 aus der Taufe gehoben wurde. Und auch dieses Mal überreichte Landrat Dr. Tassilo Lenk 150 000 Euro der Sparkassenstiftung und stockte somit den bisherigen Betrag auf drei Millionen Euro auf. Der Chef des Kreissportbundes, Steffen Fugmann, bedankte sich im Namen der 35 600 Sportler im Vogtland. „Die Sporthilfe, die vorrangig der Nachwuchsarbeit zugute kommt, ist einzigartig in Sachsen und wohl auch einmalig in Deutschland“, sagte er überwältigt. Und auch Lenk hatte Fakten parat, die zuversichtlich stimmen: „5000 Leute sind im Vogtland in Vereinen aktiv. Entgegen dem Trend hatten wir im vergangenen Jahr 900 Zugänge, obwohl die Bevölkerungszahlen schwinden. Mit 500 000 DM Stiftungskapital haben wir angefangen und sind heute drei Millionen Euro.“ Zugleich lobte er die hervorragenden Leistungen der Sportler und die engagierte ehrenamtliche Arbeit der Übungsleiter, ohne die es keinen Sport in der Region gäbe.
Händedruck von einer Großen
Wie vielfältig der Sport im Vogtland ist und wie erfolgreich junge Sportler von hochkarätigen Wettkämpfen im In- und Ausland zurückkehrten zeigte die Auszeichnung der 28 besten Nachwuchssportler in Einzeldisziplinen und zweier Mannschaften. Und keine geringere als die Kanutin Birgit Fischer, die acht Mal olympisches Gold gewann – das erste mit 18 und als Krönung ihrer Karriere mit 42 Jahren – überreichte den Mädchen und Jungen die Ehrenmedaillen. Unterstützt wurde sie dabei von dem erfolgreichen Plauener Bodybuilder Frank Günther. Birgit Fischer, die nicht nur Olympisches Gold absahnte, sondern auch 27 Weltmeister- und zwei Europameistertitel trägt, arbeitet seit dem Ende ihrer Sportkarriere im Februar 2008 auch als Übungsleiterin. Sie ermunterte alle Sportler, sich von Niederlagen nicht entmutigen zu lassen. „Zwischen den vielen Siegen, musste auch ich viele Niederlagen einstecken. Mein Motto heißt, immer nach vorn und niemals zurückzublicken“, sagte die Mutter zweier 22 und 19 Jahre alter Kinder. Stolz sei sie auf ihre Nichte Fanny Fischer, die ihren Platz im Kanu eingenommen und Gold in Peking gewonnen habe. Birgit Fischer liebt noch immer ihren Sport, aber auch die Natur, macht mit Fotografien auf ihr Havelland aufmerksam.
Zwei junge Artistinnen aus Peking begeisterten mit ihrem Antipodenakt mit Schirmen. Die 22-Jährigen sind als Duo „Ying-Ling“ durch die halbe Welt gereist und haben bei Zirkusfestivals eine Menge Preise abgeräumt. In Markneukirchen zeigten sie Artistik gepaart mit Schirmen und bei einem späteren Auftritt mit Tüchern, die sie auf ihren Fußspitzen balancierten oder tanzen ließen.
Auch bei der Rollschuhakrobatik des Chemnitzer Sportensembles sind die Kleinen schon ganz groß. Die sechs Mädchen – immer im Paar groß und klein – legten bei ihren Pirouetten ein Tempo vor, das fast schwindelig machte.
Bei der Ehrung der besten Sportlerinnen übernahm Daniel Ziebig, Fußballer bei Energie Cottbus, die Rolle des Sport-Paten. Doch bevor er diese ausführen durfte, gab es zunächst Bälle und je einen 500 Euro-Scheck der Sportgala-Organisatoren für den VSV Medizin Lebenshilfe Plauen und das Markneukirchner Jugendhaus, das sich vor allem um Kinder und Jugendliche aus sozial schwachen Familien kümmert. Wie bei allen folgenden Ehrungen der Besten trugen Volkhardt Kramer und Ulrike von der Groeben die Namen auch aller Nominierten vor. Mehr als 10 000 Vogtländer hatten sich an der Abstimmung beteiligt. Bei den Sportlerinnen gewann die Eisschnellläuferin Dennis Roth vom TSV Vorwärts Mylau vor Ulrike Gräßler, Skispringerin beim VSC Klingenthal. Claudia Seidel (Vogtland Bike) kam auf den dritten Platz. „Ich freue mich riesig, mein Verein hat toll Stimmen gesammelt“, verriet Dennis Roth, die wie Ulrike von der Groeben bemerkte „schon jahrelang bei den Nachwuchssportlern auf der Bühne stand“. Auch bei Claudia Seidel war die Freude groß: „Bei dem Stellenwert, den derzeit der Radsport hat, habe ich nicht damit gerechnet.“ Ulrike Gräßler, frisch gebackene Vize-Weltmeisterin im Frauen-Skispringen, hofft auf einen Olympiastart in Vancouver, „wenigstens einen Demo-Sprung sollte es für uns geben“.
Erstmals Formationstanz
Zum ersten Mal haben sich am Samstag Formationstänzer auf die Bühne, die dafür ziemlich eng ist, gewagt. Mit einem wahren Feuerwerk begeisterte die Tanzgemeinschaft Aachen Düsseldorf. Bei der Mambo- und Lateinshow konnten sich die Männer und Frauen im Saal einige Tanzschritte abschauen und später selbst eine kesse Sohle aufs Parkett legen. Ob es aber getreu der Vorgabe gelang, bleibt offen. Die Tänzerinnen und Tänzer wirbelten auch viel zu schnell über die Bühne, um sich Tipps zu holen – sei als Trost an alle Verzagten gesagt.
Tipps hatte auch Dieter Thoma, der Jahrtausendspringer, parat. In der Nacht von 1999 auf 2000 schwebte er genau um 0 Uhr über den Schanzentisch – und beendete seine sportliche Karriere. Einige Stunden später startete er eine neue, als CoKommentator bei Günther Jauch. Dafür gab es einen Fernsehpreis und jetzt neu den Grimme-Preis. „Man muss als Sportler auch an seine Zukunft denken“, sagte Thoma und nannte seine zwei Berufe, die er erlernte. „Mit 30 Jahren musste ich nach acht Knie- und zwei Oberschenkeloperationen meinen Sport an den Nagel hängen – und habe erfolgreich neu angefangen.“ Thoma sprach auch von den Niederlagen, von Selbstzweifeln und den Rückhalt in der Familie. „Sie ist das wichtigste.“ Mit dem heutigen Auerbacher Oberbürgermeister Manfred Deckert hatte Dieter Thoma nicht nur einen ebenfalls Skispringer, sondern auch guten Bekannten als Gesprächspartner auf der Bühne. Beide lobten sie den Enthusiasmus der Vogtländer beim letzten Weltcup in der Vogtland Arena Klingenthal. „Das Publikum hat sieben Stunden ausgeharrt, ohne zu wissen, was passiert. Schuld war der Wind“, sagte Deckert und unterstützte sogleich als Präsident des VSC Klingenthal die geplante Investition für ein Windsegel. Thoma wiederum sprach von dem vielen Lob der Springer für die Schanze in Klingenthal und forderte zugleich mehr Öffentlichkeit für die FIS-Tour.
Mit dem besten Sportler des Jahres 2008 reihte sich in die Runde einer ein, der die Schanze auch gut kennt: Björn Kircheisen. Der Nordisch Kombinierte, der schon in den Vorjahren gewann, entschuldigte sich bei den Vogtländern, dass er bei jenen Auszeichnungen nicht anwesend sein konnte. „Aber ich musste diese Kompromisse eingehen. Und der sportliche Erfolg gab mir Recht. Heute freue ich mich über einen erneuten ersten Platz und, dass ich hier sein kann.“ Zweiter wurde André Wagenknecht (Vogtland Bike) vor dem Skilangläufer Benjamin Seifert von der TSG Bau Hammerbrücke.
Der Ehrung der besten Mannschaft ging eine Gesprächsrunde mit dem erfolgreichen DDR-Nationalspieler Joachim Streich, der nach einer Hüftoperationen mit Krücken auf die Bühne trat, voraus. Mit seinen Torerfolgen wird er gerne als Gerd Müller des Ostens bezeichnet. Er hatte mit den Gewinnern der Mannschaftswertung natürlich viel auszutauschen, denn diese sind die Fußballer der VFC Plauen. Auf den zweiten Platz kamen die Volleyballerinnen vom VSV Oelsnitz, die für tolle Stimmung mit ihrem Schlachtruf im Saal sorgten. Den dritten Platz wiederum erreichten die starken Männer des Judovereins Ippon Rodewisch. Ulrike von der Groeben ließ es sich nicht nehmen, deren Trainer Henry Stöhr von seinem einstigen Konkurrenten, ihren Ehemann Alexander, zu grüßen. Schön war es anzusehen, wie die im kleinen Schwarzen aufgetretenen Volleyballerinnen sich von den Judokas das riesige Bierglas füllen ließen und es dann gemeinschaftlich leerten.
Nach dem dreieinhalbstündigen Programm wünschten die beiden Moderatoren allen Gewinnern eine tolle Feier – und die ließen sich nicht lumpen.
Bis in die Morgenstunden wurde eifrig das Tanzbein geschwungen bei der Musik der Gruppe „Anna and the rocks“ und der Disco Bernd Schädlich. In einem Jahr gibt es eine Neuauflage der Sport-Umfrage und der Sportgala – dann wieder in Plauen.
Frauen
1. Denise Roth (TSV Vorwärts Mylau/Eisschnelllaufen)
2. Ulrike Gräßler (VSC Klingenthal/Skispringen)
3. Claudia Seidel (Biketam Vogtland)
Herren
1. Björn Kircheisen (Bundesstützpunkt Vogtland/ Nordsiche Kombination)
2. Andre Wagenknecht (Biketeam Vogtland/Mountainbike)
3. Benjamin Seifert (TSG Bau Hammerbrücke/Skilanglauf)
Mannschaften
1. VFC Plauen (Fußball-Regionballiga / Herren)
2. VSV Oelsnitz (Volleyball-Landesklasse / Frauen)
2. JV Ippon Rodewsich (1. Judo-Bundesliga / Herren)
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