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Herausgeber Wilfried Hub Handikap

Die Zeit ist schnelllebig. Viel zu schnelllebig. Leider. Die Top-Themen, die noch vor einigen Wochen tagelang die Zeitungsspalten füllten und die Nachrichten beherrschten, werden ganz schnell zum Ladenhüter, zu Themen, von denen die Öffentlichkeit kaum mehr Notiz nimmt. Dabei stellt sich die allgemeine Teilnahmslosigkeit oft genau dann ein, wenn das öffentliche Interesse besonders wichtig wäre. Die Rede ist vom Plauener Traditionsbetrieb Plamag. Anfang der Woche zog sich der nächste Kaufinteressent zurück. Die Zukunft des einstigen Manroland-Werkes ist damit wieder völlig offen. Doch es gab keinen Aufschrei in der Bevölkerung, keine Demonstrationen in der Plauener Innenstadt, keine Statements der Politiker – das Thema zieht nicht mehr.

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Brauner Spuk zur Kirmes in Rodewisch

280711 KirmesRodewisch – „Was für einen Gag hat sich denn nun die Stadtverwaltung einfallen lassen? Steht ja gar nicht im Programm“, fragten sich einige Besucher der Rodewischer Kirmes am Sonntag, als sich eine Gruppe mit weißen Masken vermummt unter Kapuzen und Baseballkappen, am Rande des Angers firmierte.

Erst als man Rufe wie „Wer hat uns verraten? Die Demokraten!“ hörte, wurde den Gästen klar, dass es kein Spaß sondern bitterer brauner Ernst ist: 35 bis 40 vermummte Anhänger der Neonazi-Kameradschaft „Revolutionäre Nationale Jugend Vogtland“ (RNJ) zogen über den Festplatz, verteilten Flugblätter und hinterließen hunderte kleine Papierschnipsel mit Parolen. Über die Wernesgrüner Straße zog der Trupp in eine Seitengasse und löste sich auf. So schnell wie der Spuk kam, verschwand er.

„Jeder fragte sich, was jetzt kommt. Mütter fassten ihre Kinder und zogen sie hinter unsere Fahrgeschäfte. Viele von uns hatten Angst. So etwas habe ich in den ganzen Jahren nicht erlebt“, erzählt Waltraud, eine der Schaustellerinnen. Andere sahen das Schauspiel gelassener. „Leute, die sich hinter Kaspermasken verstecken, kann man doch nicht ernst nehmen. Einige waren als Esel verkleidet. Ein Symbol für die ganze Gruppe. Für alle Esel des Aufmarsches hat diese Maskerade wahrscheinlich nicht gereicht“, meinte Stefan Keil zum Spuk.

Wenig Eindruck machte der Aufmarsch auch unter den meisten der anwesenden Jugendlichen. „Nach meiner Meinung sind das frustrierte Menschen. Vielleicht scheiterten sie öfters oder erreichten bisher nichts. Dafür machen sie andere, meist Randgruppen, verantwortlich. Ihr fehlendes Selbstwertgefühl verstecken sie hinter anonymen Masken. Stark fühlen sie sich nur in der Gruppe. Eine bemitleidenswerte Clique.“

Und ein anderer: „Ich verstehe nicht, was die überhaupt wollen. Sie demonstrieren gegen Demokratie, Kapitalismus und Kommunismus, wollen aber gleichzeitig einen „nationalen Sozialismus“. Im Grunde also das DDR-Regime mit Planwirtschaft, Volksüberwachung und Gleichmacherei. Das ist doch ein Widerspruch in sich. Ihre einfachen Parolen sind, denkt man nur etwas darüber nach, substanzlos“, wurde am Rande diskutiert.

Erst am Montagabend, zur Abschlussveranstaltung der Rodewisch Kirmes, erschien die Polizei und informierte sich bei Bürgermeister Erhard Meier über den Vorfall. Meier wollte sich zur Störung durch die RNJ nicht äußern. „Es gab keine Übergriffe, alles weitere klären andere Stellen.“

Das stimmt. Laut Polizei ermittelt der Staatsschutz wegen des rechten Hintergrunds. „Der Aufzug war nicht angemeldet, was ein Verstoß gegen das Versammlungsrecht ist. Die Masken widersprechen dem Vermummungsverbot“, sagt Polizeisprecher Oliver Wurdak.    mm/ufa

2011-07-27




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