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Die Zeit ist schnelllebig. Viel zu schnelllebig. Leider. Die Top-Themen, die noch vor einigen Wochen tagelang die Zeitungsspalten füllten und die Nachrichten beherrschten, werden ganz schnell zum Ladenhüter, zu Themen, von denen die Öffentlichkeit kaum mehr Notiz nimmt. Dabei stellt sich die allgemeine Teilnahmslosigkeit oft genau dann ein, wenn das öffentliche Interesse besonders wichtig wäre. Die Rede ist vom Plauener Traditionsbetrieb Plamag. Anfang der Woche zog sich der nächste Kaufinteressent zurück. Die Zukunft des einstigen Manroland-Werkes ist damit wieder völlig offen. Doch es gab keinen Aufschrei in der Bevölkerung, keine Demonstrationen in der Plauener Innenstadt, keine Statements der Politiker – das Thema zieht nicht mehr.
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Amüsantes Weihnachtsfest bei Vater und Sohn
Die Vater-und-Sohn-Bildgeschichten von e.o.plauen, alias Erich Ohser, sind die erfolgreichste Comic-Serie der dreißiger Jahre. Noch heute kennt jeder die pfiffigen und lustigen Cartoons, die beispiellos die Beziehung zwischen Vater und Sohn aufzeigen. Dem Zeichner gelang dieser große Erfolg, weil er selbst auch immer versuchte, ein Kind zu bleiben.
Von Martin Reißmann
Plauen – Eine tolle Bescherung: Da ist der Sohn mächtig verblüfft, wer da am Heiligen Abend plötzlich alles als Weihnachtsmann verkleidet ins Wohnzimmer tritt. Große Augen machte der kleine Frechdachs, als er sah, dass Urahn, Großvater und Vater unter dem Mantel steckten und sich die drei in diesem Jahr anscheinend uneins über die Rollenverteilung waren. Viele Familien werden ähnliche Szenen sicher aus eigener Erfahrung kennen.
Viele interessante Geschichten aus dem Leben kann e.o.plauen, alias Erich Ohser, zu Weihnachten erzählen. Sechs thematische Vater-und-Sohn-Bildgeschichten lassen sich dazu finden. Sie alle zeigen im typischen Ohser-Stil amüsante Familienszenen zwischen Weihnachtsbasteleien, Christbaum schlagen und der Bescherung. Die schwarz-weiß Cartoons des gebürtigen Untergettengrüners, der mit vier Jahren nach Plauen zog, brauchen keine Worte, um Emotionen beim Betrachter zu wecken. Die klaren und perfekt gesetzten Pinselstriche und Einzelheiten geben den Geschichten ihre lebendige Note.
Freudiger Familienmensch
Erinnerungen aus Ohsers Kindheit und die Liebe und Freude zu seinem Sohn Christian will er mit den Bildgeschichten zum Ausdruck bringen, erzählt Kunsthistorikerin Dr. Elke Schulze. „Er soll einen sehr liebevollen Vater gehabt haben.“ Die Vorsitzende der e.o.plauen-Stiftung ist für den Nachlass von Erich Ohser verantwortlich. Die Sammlung umfasst derzeit etwa 1400 Zeichnungen, Grafiken, Illustrationen und sogar private Unterlagen wie Führerschein, Pass und Möbel.
Erich Ohser war ein feierfreudiger Familienmensch. Wie beging er wohl das Weihnachtsfest? Würde er noch leben, könnten wir es sicher in einem der zahlreichen Boulevardblätter lesen. Doch früher war das Privatleben der Prominenten doch noch etwas privater als heute. Die vielen Briefe zwischen Ohser und Christian zeigen aber, dass es sehr familiär zugegangen sein muss. Ihm habe stets viel daran gelegen, das Weihnachtsfest gemeinsam zu verbringen. Auf ganz kindgerechte Weise hatten beide sogar eine gemeinsame Sprache in ihren Briefen gefunden. „Er hat sich sehr auf die Welt des Kindes eingelassen“, so Elke Schulze. Sie erinnert sich an ein Familienfoto, das einen Weihnachtsbaum mit Geschenken zeigt. Unter dem geschmückten Baum steht auch ein selbst gestaltetes Holzpferd von Ohser für seinen Sohn. „Tiere als Spielzeug haben bei Christian eine große Rolle gespielt.“ Unheimlich gern seien sie auch immer wieder in den Berliner Zoo gegangen.
Die Briefe zu seiner Frau Marigard Bantzer waren nicht immer so harmonisch. Es habe auch Zeiten gegeben, wo sie auf großer Distanz lebten. Das Weihnachtsfest 1943 war besonders bitter. Der Krieg trennte die Familie. Ohser war in Berlin und die Mutter mit Christian, der krankheitsbedingt in einem Sanatorium war, in Süddeutschland. Weihnachtsgrüße aus dem zerbombten Berlin erreichten Marigard und Christian. Er bedaure es sehr, dass die Familie nicht gemeinsam feiern kann. Hoffentlich bekommt Christian ein schönes Geschenk, hofft er. Aber eigentlich hat er ganz andere Sorgen. Das Größte wäre für ihn, wenn alle heil aus dem Bombenhagel kommen, schreibt er. Die Zeit war für Ohser traurig und erschütternd gewesen, beschreibt Schulze. Seine Abneigung gegenüber dem nationalsozialistischen Regime wurde ihm wenig später zum Verhängnis. Am 28. März 1944 wurde Ohser wegen Verrates verhaftet. Am 6. April sollte der Prozess gegen ihn beginnen. Ohser beging vorher in seiner Zelle Suizid. Die Grabstätte befindet sich auf dem Hauptfriedhof in Plauen.
Neue Aufmerksamkeit
Die Arbeiten des Künstlers leben weiter – im Erich-Ohser-Haus. Der Galerie-Umzug von der Bahnhofstraße im September 2010 in die Altstadt habe e.o.plauen eine ganz neue Aufmerksamkeit geschenkt, freut sich Elke Schulze. Plauen kann auf das Museums-Haus stolz sein: „Ich bin über die Entwicklung hoch beglückt. Erich Ohser und Plauen gehören zusammen. Ich bin froh, dass so viele Plauener das Haus entdecken.“ Zwei Ausstellungen werden im Jahr gezeigt. Immer Ohser. Immer anders. Etwa 4000 Besucher werden jeweils gezählt. Immer mehr von ihnen kommen dabei auch aus den alten Bundesländern. Für Plauen sei dies ein sehr gutes Ergebnis, meint die Expertin. In einer weiteren Schau im Frühjahr soll übrigens gezeigt werden, wie wichtig die Städte für Erich Ohser waren, in denen er lebte. „Er war ein Mann der Großstädte.“
Großen Anteil an den Geschehnissen in Plauen nimmt auch Enkel Peter Ohser, der in Texas lebt und einmal im Jahr versucht, die Heimatstadt und Region seines bekannten Vorfahrens zu besuchen. Selbst seine beiden Söhne interessieren sich bereits für das Leben und Handeln von Erich Ohser, sagt die Kunsthistorikerin. Die Ausstellungsleiterin wünscht sich für 2012 ein weiter neugieriges und unvoreingenommenes Publikum, das wachsen soll.
Bildgeschichte: Seine Bildgeschichten machten ihn berühmt: Erich Ohser. Unter dem Namen e.o.plauen veröffentlichte er wöchentlich auf der Romanseite der „Berliner Illustrirten“ zwischen 1943 und 1937 insgesamt einhundertfünfzig seiner lustigen, frechen und manchmal auch politischen Bildgeschichten. Keiner versteht es besser, die Beziehungen zwischen Vater und Sohn so perfekt in Szene zu setzten, wie Erich Ohser. Das zeigt auch der Cartoon „Urahn, Großvater, Vater und Kind...“, der zu Weihnachten 1936 veröffentlicht wurde. Grafik: Erich Ohser / e.o.plauen: Vater und Sohn. Sämtliche Streiche und Abenteuer, Konstanz 2003
2011-12-24
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