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Die Zeit ist schnelllebig. Viel zu schnelllebig. Leider. Die Top-Themen, die noch vor einigen Wochen tagelang die Zeitungsspalten füllten und die Nachrichten beherrschten, werden ganz schnell zum Ladenhüter, zu Themen, von denen die Öffentlichkeit kaum mehr Notiz nimmt. Dabei stellt sich die allgemeine Teilnahmslosigkeit oft genau dann ein, wenn das öffentliche Interesse besonders wichtig wäre. Die Rede ist vom Plauener Traditionsbetrieb Plamag. Anfang der Woche zog sich der nächste Kaufinteressent zurück. Die Zukunft des einstigen Manroland-Werkes ist damit wieder völlig offen. Doch es gab keinen Aufschrei in der Bevölkerung, keine Demonstrationen in der Plauener Innenstadt, keine Statements der Politiker – das Thema zieht nicht mehr.
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Amoklauf: Doch kein Hinweis im Internet
Winnenden - Panne im Fall Tim K.: Vom Heimcomputer aus habe der Amokläufer seine Taten angekündigt, verkündete Baden-Württembergs Innenminister Rech. Tatsächlich saßen er und einige Staatsanwälte einem Betrüger auf, der das Bild eines Webforums fälschte: „Wir sind vor den Kopf gestoßen“, sagt eine Ermittlerin.
So finster die Stunden seit dem Massaker von Winnenden für die meisten Menschen in Deutschland sind, ein paar lachen sich jetzt vermutlich ins Fäustchen. Einer oder mehrere Teilnehmer des Internet-Forums Krautchan haben die Öffentlichkeit mit einer offenbar gefälschten Amok-Ankündigung von Tim K. genarrt.
Der baden-württembergische Innenminister Heribert Rech präsentierte die mutmaßliche Falschinformation am Mittag auf einer weltweit beachteten Pressekonferenz als belastbares Indiz für das Motiv des Massenmörders. Der CDU-Politiker erzählte, der Hinweis auf den Forumseintrag auf Krautchan sei am Mittwochabend vom Vater eines 17-Jährigen aus Bayern gekommen. Der Sohn habe den Hinweis im Forum gesehen, erst gar nicht ernst genommen – aber nach dem Massaker in Winnenden die Information doch weitergegeben. Rech las den Eintrag wörtlich vor.
„Ich werde morgen früh an meine frühere Schule gehen und mal so richtig gepflegt grillen“: Dieser Satz und der komplette Text aus dem Forum wurden auf der Pressekonferenz als Bildschirmfoto veröffentlicht.
Rechs Ermittler waren allerdings keineswegs auf eine geheime Spur gestoßen. Unter anderem SPIEGEL ONLINE hatte schon am Mittwochnachmittag per E-Mail reihenweise Hinweise auf Tim K.s angeblichen Forumsbeitrag erhalten. Veröffentlicht wurde die Information nicht, denn es gab keinerlei Beleg für die Echtheit. Die Quelle war nicht zu verifizieren, und nach Amokläufen tauchen im Internet immer wieder gefälschte Bekennerschreiben oder Internet-Seiten der Täter auf.
Rech widersprach auf der Pressekonferenz der von skeptischen Journalisten mehrfach geäußerten Vermutung, bei dem Foreneintrag handele es sich um eine nachträgliche Fälschung. Schließlich fügte er einen entscheidenden Satz hinzu: Ermittler hätten entsprechende Daten auf dem Computer des Amokläufers gefunden. Die Staatsanwaltschaft Stuttgart schloss sich dieser Aussage an.
„Am Mittwochabend meldete sich der Vater eines 17-Jährigen aus Bayern und berichtete über einen Internet-Chat, den sein Sohn in der Nacht zuvor geführt habe. Der Sohn hatte sich nach der Medienberichterstattung über diese Tat in Winnenden an seinen Vater gemeldet, und demnach war im Chatroom eines Internet-Portals in der Nacht von Dienstag auf Mittwoch gegen 2.45 Uhr kurz vor der Tathandlung folgender Eintrag eingestellt worden: ...“ Rech zitiert das angebliche Chat-Protokoll “... Der Sohn hatte diese Ankündigung nicht ernst genommen und mit dem Internet-Kürzel (...) lol quittiert – was so viel bedeutet wie laughing out loud, zu Deutsch also: Ich lach mich kaputt.“
Das Forumsprotokoll, wie es im Internet kursiert und von Rech auf der Polizeipressekonferenz vorgestellt wurde:
„Scheiße Bernd, es reicht mir, ich habe dieses Lotterleben satt, immer das selbe – alle lachen mich aus, niemand erkennt mein Potenzial. Ich meine es ernst Bernd – ich habe Waffen hier, und ich werde morgen früh an meine frühere Schule gehen und mal so richtig gepflegt grillen. Vielleicht komme ich ja auch davon. Haltet die Ohren offen. Bernd, ihr werdet morgen von mir hören. Merkt Euch nur den Name des Orts Winnenden. Und jetzt keine Meldung an die Polizei, keine Angst, ich trolle nur.“ (Unter einem Forentroll versteht man einen Teilnehmer, der durch provozierende Äußerungen Reaktionen hervorrufen will.)
Die Entgegnung zur öffentlichen Darstellung auf krautchan.net:
„Leider wird unser winziger Server mit dem momentanen Ansturm nicht fertig. Es gibt allerdings auch gar nichts zu sehen, da die deutsche Presse sich bedauerlicherweise (vermutlich nicht zum ersten Mal) von einer Fälschung hat täuschen lassen. Hier wurde kein Amoklauf angekündigt, es gibt hier nur Leute, die mit Photoshop umgehen können. Scheinbar ist recherchieren heutzutage uncool. Schlimm genug, bei Wikipedia abzuschreiben, aber hier? Grundgütiger. Was man übrigens auf dem PC des Täters gefunden haben will, wissen wir nicht. Vielleicht hat er die Site mal besucht, den durch die Presse gegangenen Beitrag hat er jedenfalls nicht verfasst, denn der hat nie existiert. (Hier ist ein Screenshot des ziemlich unspektakulären Originals, das absolut nichts mit Amokläufen zu tun hat.) Wie dem auch sei, wir sind offline, bis der Traffic sich normalisiert hat.“
Dies ist nach jetzigem Nachrichtenstand definitiv falsch. Am Abend kamen Informationen, dass sich auf dem Computer des Amokläufers keinerlei Hinweise darauf befanden, dass K. jemals auf der Seite Krautchan war. Ein Waiblinger Polizeisprecher bestätigte dann, Rechs Annahmen hätten sich als falsch herausgestellt. Es gebe derzeit keinen Beweis, dass Tim K. den Forumseintrag selbst verfasst hat.
„Irgendein Verrückter hat wohl eine schlimme Falschmeldung in die Welt gesetzt“, sagte Rech in der Nacht der „Süddeutschen Zeitung“. Auch er bestätigte, die Ermittler der Polizei hätten auf dem Computer von Tim K. festgestellt, dass der Forumeintrag nicht von dort verfasst wurde: „Das muss wohl im Nachhinein konstruiert worden sein.“ Rech wies Kritik zurück, die Ermittlungsbehörden hätten sich zu früh auf die Echtheit des Eintrages festgelegt: „Ich habe stets deutlich gemacht, dass es sich um den vorläufigen Stand der Ermittlungen handelt.“
Die Sprecherin der Staatsanwaltschaft Stuttgart sagte dem „Tagesspiegel“ indes, man sei „fest davon ausgegangen, dass der Eintrag stimmt, weil wir ihn auf dem Computer des Amokläufers gefunden haben“. Man stehe „im Prinzip“ wieder am Anfang: „Wir sind wie vor den Kopf gestoßen.“ Nun müsse in Ruhe geprüft werden, was es mit dem angeblichen Eintrag von Tim K. auf sich habe.
Sowohl die Staatsanwaltschaft als auch Rech kündigen an, die Ermittler würden mit dem Vater und dem 17-jährigen Sohn reden, von denen der Hinweis kam. Der Waiblinger Polizeisprecher sagte, es hätten sich insgesamt zwei Personen gemeldet, die den Eintrag auf Krautchan gesehen haben wollen. Nun liefen Überprüfungen durch Spezialisten des baden-württembergischen Landeskriminalamtes. Die Zeugen würden weiter vernommen, und man habe beim Server-Betreiber in den USA angefragt – um die Ungereimtheiten zu klären.
Kommentar zu Amoklauf: Doch kein Hinweis im Internet?
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Kommentar von _nadine am 13.03.2009; 20:00:01 Uhr
na toll
er is so doof und net cool ich hassse mennschen die sowas machen