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Herausgeber Wilfried Hub Handikap

Die Zeit ist schnelllebig. Viel zu schnelllebig. Leider. Die Top-Themen, die noch vor einigen Wochen tagelang die Zeitungsspalten füllten und die Nachrichten beherrschten, werden ganz schnell zum Ladenhüter, zu Themen, von denen die Öffentlichkeit kaum mehr Notiz nimmt. Dabei stellt sich die allgemeine Teilnahmslosigkeit oft genau dann ein, wenn das öffentliche Interesse besonders wichtig wäre. Die Rede ist vom Plauener Traditionsbetrieb Plamag. Anfang der Woche zog sich der nächste Kaufinteressent zurück. Die Zukunft des einstigen Manroland-Werkes ist damit wieder völlig offen. Doch es gab keinen Aufschrei in der Bevölkerung, keine Demonstrationen in der Plauener Innenstadt, keine Statements der Politiker – das Thema zieht nicht mehr.

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Thalia macht in Plauen aus zwei Läden einen

280611 ThaliaDie Plauener Filiale der Buchladenkette Thalia am Klostermarkt schließt Ende des Monats. Mit Schnäppchenpreisen hat der Ausverkauf begonnen. Alle Mitarbeiterinnen verlieren ihre Arbeitsstelle.

Von Frank Blenz

Plauen - Ein Buchladen ist immer ein Gewinn für eine Stadt, eine Quelle für die Neugier, das Wissen, die Inspiration, die Sprache, die Kunst und Unterhaltung, für die Belebung des Zentrums, der Vitalisierung der Innenstadt, als Bonbon einer kleinen Seitenstraße, eines Platzes und das vor allem im Ensemble mit kleinen anderen Läden, Cafes, Kneipen, Kinos, kulturellen und Lebensart tauglichen Anlaufpunkten. Der Buchladen Thalia am Klostermarkt ist ein solcher Anlaufpunkt - besser nach dem 30. Juni war er einer. "Ja, wir schließen zum Ende des Monats - leider", sagt Birgit Hartwig, die Leiterin des mittlerweile schon traditionsreichen Buchladens.

Traditionsreich. 1994 eröffnete der Laden und zählte bis in diesen Tagen einen ordentlichen Zulauf und Umsatz, weiß die Chefin. Gut sortiert und umfangreich im Angebot, günstig gelegen am schönen Klostermarkt und dazu auch für besondere Aufgaben tauglich agierten die im Anfangsjahr zunächst 13 und jetzt noch sieben Mitarbeiter/innen für die Plauener und auswärtige Kundschaft. Man konnte vor Ort bestellen, wurde prompt benachrichtigt und auch beim Stöbern nach Sonderwünschen (auch via Internet) wurde dem Kunden geholfen. Die Plauener Buchhändlerin sagt dazu: "Wir haben über all die vielen Jahre auch das Schulbuchgeschäft betreut, das war eine schöne Aufgabe, wer das jetzt weitermacht - keine Ahnung."

Es herrscht nun eine seltsame Stimmung in den großen Gewerberäumen. Die Mitarbeiter haben sich mit ihrer Situation abgefunden. Allen ist gekündigt worden. Professionell bedienen sie die Kundschaft, sortieren ein und um, bauen langsam ab. Mehr und mehr Regale leeren sich. Keine Mitarbeiterin wird, entgegen der vom Hören Sagen Annahme von Bürgern auf der Straße, im Thalia II in der großen Einkaufsmall Stadt-Galerie übernommen. Mit der Eröffnung dieses großen Ladens 2001 war zunächst eine gewisse Konkurrenz entstanden, erinnert sich Hartwig. Damals hieß ihr Laden noch Gondrom. Mit der Übernahme durch das expandierende Thalia-Unternehmen aber roch es geradezu fortan nach Zusammenlegung, Optimierung, Verbesserung. Verbesserung? Für den Konzern. Es gibt so einen Spruch, der in den Büchern steht und lautet: "Alles wird besser und nichts wird gut..." Wie es aussieht, geht nun der Plan auf, aus zwei Läden mache einen, ein Konkurrent wurde in die Knie gezwungen, besser übernommen, und mit der Hälfte Personal spekuliert man jetzt mit einem Laden in der Galerie auf den gleichen Umsatz wie vorher bei zwei Läden und zwei Belegschaften.

Dieses Gefühl äußerten auch zahlreiche Kunden des Ladens, weiß die Chefin. Sie erzählt: "Die Kunden sind traurig und ohne Verständnis, dass wir schließen." Mehrere Buchläden könne eine Stadt wie Plauen, noch dazu selbst ernannte Vogtland-Metropole, schon vertragen. Aber es sei wie mit vielen Dingen und Abläufen in der Stadt - Plauen erlebt gerade keine Zeit der Konjunktur, des Aufbruchs, ist von den Lesern und Käufern der Bücher des Noch-Thalia zu vernehmen. Auch das gibt es: wie immer, wenn ein Geschäft schließt, eine Existenz krachen geht, kommen die Leichenfledderer, die, die jetzt manche Bücher statt für einen Euro für 50 Cent erhaschen. Sonst sah man diese Leute nicht im Laden. Und so wird geräumt und spätestens Mitte Juli besenrein übergeben. "Ja, es ist nicht einfach, wenn ich allein an unsere Regionalbuchabteilung denke. Wir haben viele hiesige Veröffentlichungen hier ins Programm genommen. Welcher Laden soll das fortsetzen hier in der Stadt", überlegt die Buchhändlerin Birgit Hartwig.

Für sie geht im Sommer 2011 auch eine neue Lebensphase los. Arbeitslos und eine Menge Bewerbungen für eine Frau um die 50. "Es war eine schöne Zeit und Danke unserer treuen Kundschaft, ich hoffe, es kommt kein Ramschladen als Nachfolger hier rein, noch stehen die Räume leer", sagt sie zum Abschied.

2011-06-27




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