Hub-Blog "Ansichtssache" jeden Samstag neu...

Herausgeber Wilfried Hub Handikap

Die Zeit ist schnelllebig. Viel zu schnelllebig. Leider. Die Top-Themen, die noch vor einigen Wochen tagelang die Zeitungsspalten füllten und die Nachrichten beherrschten, werden ganz schnell zum Ladenhüter, zu Themen, von denen die Öffentlichkeit kaum mehr Notiz nimmt. Dabei stellt sich die allgemeine Teilnahmslosigkeit oft genau dann ein, wenn das öffentliche Interesse besonders wichtig wäre. Die Rede ist vom Plauener Traditionsbetrieb Plamag. Anfang der Woche zog sich der nächste Kaufinteressent zurück. Die Zukunft des einstigen Manroland-Werkes ist damit wieder völlig offen. Doch es gab keinen Aufschrei in der Bevölkerung, keine Demonstrationen in der Plauener Innenstadt, keine Statements der Politiker – das Thema zieht nicht mehr.

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"Zerbrich das Gewehr..."

030909 SchwerterPlauen – Die Auseinandersetzung zwischen Friedensbewegung und DDR-Staat zeigt die aktuelle Ausstellung ,,Der gefährliche Schmied“ im Foyer des Plauener Rathauses.


Die Wanderausstellung kommt vom Martin-Luther-King-Zentrum für Gewaltfreiheit und Zivilcourage Werdau. Eine Hommage soll es sein an alle, die mit Mut ihre Friedenshoffnung in die Öffentlichkeit des gleichgeschalteten Staates trugen. Damit setzten sie sich der Willkür der Staatssicherheit und anderer Partei- und Staatsorgane aus.
Viele Leute, unter ihnen Bürgermeister, Stadträte und zahlreiche Pfarrer, fanden sich zur Eröffnung am Dienstag ein. Musikalische Begleitung gab es dazu von einem Duo – das Saxophon spielte Norbert Simanowski am E-Piano Frank Gareis vom Vogtlandkonservatorium ,,Clara Wieck“.


21 Tafeln zeigen mit zeitlicher Zuordnung in Wort und Bild Ausschnitte der Friedensbewegung und der Friedlichen Revolution in der DDR. Sätze wie ,,Zerbrich das Gewehr und sag es weiter“ oder ,,Alle Soldaten tragen eine Gewehr, außer Vati, der ist Spati“ stechen dabei besonders ins Auge. Das Abzeichen mit dem Symbol des Schmiedes gerät dabei immer wieder ins Blickfeld. Über die Kirchenmauern hinweg wurde die Botschaft damals so verbreitet. Doch schon bald wurde der friedfertige Mann, der die biblische Vision ,,Schwerter zu Pflugscharen“ verbildlichte, zum ,,gefährlichen Schmied“ der bekämpft werden müsse. Oberlandeskirchenrat i. R. Harald Brettschneider prägte dieses an ein Bibelzitat angelehnte Symbol 1980 und war damit der Initiator dieser Friedensbewegung in Sachsen.

 

Er selbst sprach zur Ausstellung und zu den Ereignissen dieser Zeit. Aber auch Georg Meusel, 1. Vorsitzender des Martin-Luther-King-Zentrums, begrüßte die Besucher. Eine Mutter aus Magdeburg meldete sich zu Wort und übte laut Kritik. Acht Jahre sei ihr Sohn als Jugendlicher im Gefängnis gewesen. Von der Kirche angestiftet, habe er sich der Bewegung angeschlossen und sei dafür ohne Bewährung betraft worden. Besonders verärgert sei sie darüber, dass davon keiner mehr spricht. S.Rössel

 

2009-09-03




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