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Die Zeit ist schnelllebig. Viel zu schnelllebig. Leider. Die Top-Themen, die noch vor einigen Wochen tagelang die Zeitungsspalten füllten und die Nachrichten beherrschten, werden ganz schnell zum Ladenhüter, zu Themen, von denen die Öffentlichkeit kaum mehr Notiz nimmt. Dabei stellt sich die allgemeine Teilnahmslosigkeit oft genau dann ein, wenn das öffentliche Interesse besonders wichtig wäre. Die Rede ist vom Plauener Traditionsbetrieb Plamag. Anfang der Woche zog sich der nächste Kaufinteressent zurück. Die Zukunft des einstigen Manroland-Werkes ist damit wieder völlig offen. Doch es gab keinen Aufschrei in der Bevölkerung, keine Demonstrationen in der Plauener Innenstadt, keine Statements der Politiker – das Thema zieht nicht mehr.
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Wer liegt denn da nackt an der Talsperre Pöhl?
Plauen – Eigentlich sollte es ein informativer Vortrag über die Arbeit der e.o.plauen-Stiftung werden. Nicht mehr und nicht weniger. Und so hatten sich das Bürgermeister Uwe Täschner und Kulturbetriebs-Direktor Friedrich Reichelt wohl auch vorgestellt zur Sitzung des Kulturausschusses am Montag.
Doch da hatten beide wohl die Rechnung ohne einige neue Stadträte und berufene Bürger gemacht, die seit dieser Legislaturperiode in diesen Gremien sitzen und dort vermutlich das Aufkommen von Langeweile verhindern möchten.
Doch der Reihe nach. Zunächst hatte Reichelt tatsächlich Gelegenheit, über den Wert des Ohserschen Gesamtwerkes – eine Million Euro – zu berichten. Und darüber, dass sich in Dauerleihgabe der im November 2004 gegründeten Stiftung mittlerweile etwa 1400 Zeichnungen und weitere circa 100 Briefe des Plauener Künstlers befinden. Kontrolliert wird die Arbeit des Gremiums von zehn Stiftungsräten, von denen zwei der Familie Ohser angehören, weitere der e.o.plauen Gesellschaft, der Sparkasse Vogtland und der Stadt Plauen. Etwa 100 der berühmten Vater-und-Sohn-Geschichten, so Reichelt, befänden sich noch in Privatbeseitz, vorwiegend dem des Antikhauses Darmstadt und der Familie Loest. Derzeit befände man sich in Verhandlungen um einen gegenseitig annehmbaren Preis.
Nahezu alle Werke Ohsers seien inzwischen eingescannt, ein großer Teil sei auf Sicherheitsfilm verewigt worden. Eine komplette Restaurierung aber, machte der Kulturbetriebs-Direktor deutlich, koste richtig Geld – etwa 180 000 Euro. Und mit dem Stichwort Geld kamen dann auch die unangenehmen Fragen. Sven Jahn (SPD) hatte einen regelrechten Fragenkatalog notiert, den er von Reichelt im Schnelltempo beantwortet haben wollte. Als das so nicht funktionierte erklärte sich der Kulturbetriebs-Direktor zu einer schriftlichen Stellungnahme bereit. Und die könnte einigen Zündstoff in sich bergen.
Stein oder besser Papier des Anstoßes sind die drei zu Ausstellungen von e.o.plauen erschienenen Kataloge, besonders der jüngst verfasste. Wer der Herausgeber sei, wollte Jahn wissen. „Der Kulturbetrieb, steht doch drin“, so Reichelt schon zum Auftakt leicht genervt, wohl wissend, was der Fragesteller eigentlich bezwecke. Und in der Tat geht es eigentlich auch um die Strukturen, wie Dietrich Kelterer versuchte nachzuhaken. Für den Außenstehenden seien Rolle und Zuständigkeiten von Kulturbetrieb, e.o.plauen-Gesellschaft und e.o.plauen-Stiftung kaum nachzuvollziehen. Eine Verzahnung aller drei Gremien bestätigte denn auch Bürgermeister Täschner. Zumal die Stiftung, wie eigentlich üblich, kaum über finanzielle Mittel verfügt.
Obwohl Jahn bekräftigte, dass es nicht vordergründig um die Arbeit einer Person gehe und deren Name auch nicht fiel, konzentrierte sich die Diskussion denn doch auf diese.
In welchem Arbeitsverhältnis Detlef Müller, der Autor des in drei Jahren Arbeit entstandenen Kataloges stehe, und von wem er bezahlt werde, wollte übrigens auch unsere Zeitung wissen Zeitgleich eingetroffene Antwort von Reichelt: Müller sei bei der Stadtverwaltung angestellt, arbeite für den Kulturbetrieb vor allem für das Vogtland-Museum und werde daher auch von der Stadt Plauen bezahlt.
In der Funktion eines wissenschaftlichen Mitarbeiters, wobei es sich bei der Erarbeitung des Kataloges nicht um einen Forschungsauftrag gehandelt habe. Ob und welche juristische Spitzfindigkeit dahinter steckt, lässt sich nur vermuten. Fakt für Jahn ist: Die Katalogerstellung habe zu lange gedauert, besonders der dritte werde kaum verkauft. Ergo: Könne es sich die Stadt leisten, einen Mann zu bezahlen, dessen Qualifizierung dafür zumindest hinterfragt werden dürfe. Eine Frage, die Galerist Jahn auch vor dem Hintergrund der anstehenden Entlassungen im Theater stellte. Täschner wollte sich auf die Diskussion „was ist weniger wichtig“ nicht einlassen und stellte stattdessen das löbliche Engagement der Stadt in Sachen Ohser heraus.
Dass Jahn vermutlich auch ein „Chemie-Problem“ mit dem Katalog-Autoren hat, erwies sich an seinem Nachhaken. Es habe wohl keine besondere Außenwirkung, wenn der Betreffende die ganze Sommersaison nackt an der Pöhl verbringe, wohlgemerkt nicht im FKK-Bereich. „Da machen sich die Leute doch Sorgen, ob der entlassen ist“, grinste Jahn. Eine Pointe, die Reichelt dann doch zum Parieren veranlasste. „Wann haben Sie das geschrieben, da stecken ja drei Dissertationen drin“, habe der Kulturredakteur der FAZ auf den Katalog reagiert.
Nun ja, Fakt ist aber, dass sich besagtes Werk eben nicht wie die warmen Semmeln verkauft und irgendwer, irgendwann auf den Kosten sitzen bleiben wird. Und die Beantwortung von Jahns Fragen im nächsten Kulturausschuss dürfte auch noch mal spannend werden. tp
2009-09-23
Kommentar zu Wer liegt denn da nackt an der Talsperre Pöhl??
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