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Die Zeit ist schnelllebig. Viel zu schnelllebig. Leider. Die Top-Themen, die noch vor einigen Wochen tagelang die Zeitungsspalten füllten und die Nachrichten beherrschten, werden ganz schnell zum Ladenhüter, zu Themen, von denen die Öffentlichkeit kaum mehr Notiz nimmt. Dabei stellt sich die allgemeine Teilnahmslosigkeit oft genau dann ein, wenn das öffentliche Interesse besonders wichtig wäre. Die Rede ist vom Plauener Traditionsbetrieb Plamag. Anfang der Woche zog sich der nächste Kaufinteressent zurück. Die Zukunft des einstigen Manroland-Werkes ist damit wieder völlig offen. Doch es gab keinen Aufschrei in der Bevölkerung, keine Demonstrationen in der Plauener Innenstadt, keine Statements der Politiker – das Thema zieht nicht mehr.
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Streit um Qualifizierung von Tagesmüttern in Plauen
Plauen – Momentan gibt es in Plauen fünf Tagesmuttis, die jeweils maximal fünf Kinder bis zu einem Alter von drei Jahren betreuen. Und um genau jenen Personenkreis entspann sich am Donnerstag im Sozialausschuss eine recht beharrliche Diskussion.
Plauen als Standort stärken
Grundlage bildete ein Antrag der CDU mit Änderungen zur bestehenden Richtlinie. Namens seiner Fraktion machte Stadtrat Steffen Zenner eingangs auf Schwerpunkte und Anliegen des Papiers aufmerksam. Mit der Änderung, dass künftig auch Kinder über drei Jahren bis zum Erreichen des Schulalters die Tagespflege beanspruchen können, solle Plauen als Wirtschaftsstandort gestärkt werden. Ohne die kommunalen Kita-Angebote diskreditieren zu wollen, sollen Eltern die freie Entscheidung haben, wo ihr Kind am optimalsten betreut werde, auch unter Berücksichtigung von Anfahrtswegen oder Arbeitszeiten. Dem hielt Stadträtin Juliane Pfeil (SPD) entgegen, dass sich das Tagespflegeangebot bewusst an Eltern von Kindern unter drei Jahre richte, denn wenn durch die Ausweitung des Zugangsalters die Kapazitäten knapp würden, hätten die Jüngeren das Nachsehen.
Dies sah Stadtrat Dieter Blechschmidt anders. Bisher sei es so, dass Kinder über drei Jahren entgegen des Wunsches der Eltern in eine andere Einrichtung wechseln müssen. Im Falle einer zeitintensiven Einzelfallentscheidung sähen sich die Eltern inzwischen nach einer Alternative um und blockierten so quasi eigentlich Plätze, die sie gar nicht in Anspruch nehmen wollen. Mit dem von Bürgermeister Uwe Täschner angeregten Zusatz, die Möglichkeit der längeren Betreuung „im Rahmen der verfügbaren Plätze“ zu gewährleisten, stimmten die Sozialausschuss-Mitglieder diesem Änderungspunkt zu.
Auch bezüglich der Entbürokratisierung der Antragstellung konnten die Christdemokraten einen Erfolg verbuchen. Künftig kann die Antragstellung und das Abholen und Ausfüllen der Formulare über die Tagesmutti erfolgen, ein weiterer Gang zu Behörden erübrigt sich. Um so mehr bissen sich die Mitglieder am dritten Änderungsantrag fest. Im Wesentlichen geht es um die fachliche Qualifizierung der Tagesmütter. Bundes- und landespolitisch sei es gewollt, dass die in der Regel weiblichen Betreuerinnen ein so genanntes Curriculum absolvieren müssen – eine Grundqualifizierung für die angestrebte Tätigkeit. In Plauen aber gilt die Regel, dass ausschließlich staatlich anerkannte Erzieherinnen Tagespflege anbieten dürfen.
Schwere Geschütze aufgefahren
Steffen Zenner machte deutlich, dass es nicht um eine Betreuung erster oder zweiter Klasse geht. Gleichzeitig räumte er ein, dass das Curriculum als nicht staatlich anerkannt ausgewiesen sei. Die großen Geschütze fuhr Lutz Schäfer vom Jugendamt auf. Während eine staatliche Ausbildung zwei bis drei Jahre beanspruche, genügen für das Curriculum 120 Unterrichtseinheiten, deren Niveau je nach Anbieter auch noch stark schwanke. Schäfer: „Es gibt Bildungsträger, die sofort alles anbieten, was die Regierung gerade beschlossen hat.“ Das Curriculum sei nicht annähernd mit dem Abschluss eines staatlich anerkannten Erziehers zu vergleichen. „Ich möchte nicht, dass jemand vom Arbeitsamt kommt, diese Ausbildung macht und sich dann um fünf Kinder kümmert.“
„Wenn wir als Verwaltung für Probleme verantwortlich gemacht werden, dann muss es uns zustehen, Personen auf ihr Ausbildungsniveau zu überprüfen“, argumentierte Bürgermeister Uwe Täschner für den ausschließlichen Einsatz staatlich anerkannter Erzieher. Dies jedenfalls müsse die Regel sein, die eine Einzelfallentscheidung nicht ausschließe. Dieses „Schlupfloch“ wollte Stadtrat Dieter Blechschmidt nicht geöffnet sehen. „Entweder tatsächlich nur staatlich anerkannt oder gleiche Chancen für Absolventen der Curriculums, argumentierte er und brachte einen Vergleich: Wenn in ganz Deutschland der Pkw-Führerschein zum Lenken eines Autos genüge, beharre Plauen jetzt darauf, dass auf seinen Straßen ein Lkw-Schein erforderlich sei.
Zudem verwies er darauf, dass der staatliche Abschluss mit einem mindestens dreijährigen Studium verbunden sei, dem sich wohl niemand unterziehe, auf den später als Tagesmutter maximal 1200 Euro brutto warten. Bleibe die Verwaltung bei ihrer starren Haltung, werde auch der unkontrollierbaren „Nachbarschaftshilfe“ Tür und Tor geöffnet. Am Ende ließen die Ausschussmitglieder diesen Änderungsantrag nicht passieren. Es bleibt dabei, dass staatlich anerkannte Erzieher eher Zugang zur Arbeit in der Tagespflege haben.
Von Torsten Piontkowski
2009-12-18
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