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Die Zeit ist schnelllebig. Viel zu schnelllebig. Leider. Die Top-Themen, die noch vor einigen Wochen tagelang die Zeitungsspalten füllten und die Nachrichten beherrschten, werden ganz schnell zum Ladenhüter, zu Themen, von denen die Öffentlichkeit kaum mehr Notiz nimmt. Dabei stellt sich die allgemeine Teilnahmslosigkeit oft genau dann ein, wenn das öffentliche Interesse besonders wichtig wäre. Die Rede ist vom Plauener Traditionsbetrieb Plamag. Anfang der Woche zog sich der nächste Kaufinteressent zurück. Die Zukunft des einstigen Manroland-Werkes ist damit wieder völlig offen. Doch es gab keinen Aufschrei in der Bevölkerung, keine Demonstrationen in der Plauener Innenstadt, keine Statements der Politiker – das Thema zieht nicht mehr.
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Ein Tag in der Plauener Möbelbörse
Schrankwände und Hoffnung
Plauen – Die weitläufigen Räumlichkeiten der Möbel- und Textilbörse in der Plauener Weststraße 21 liegen im Souterrain eines alten Gründerzeithauses. Liebevoll haben diese die Betreiber, Angestellte des Vereins „Projekt Zukunft“, eingerichtet und mit allerlei gebrauchten Waren bestückt.
Sortiert nach Haushaltswaren, Kleidung, Spielzeug bis hin zu Büchern und Möbeln, finden seit zehn Jahren die Kunden hier vieles, was sie daheim brauchen. Ein Sofa für das Wohnzimmer? Kein Problem. Eine intakte Schrankwand? Bitte sehr, auch da kann man sich verschiedene aussuchen. Dazu gleich noch etwas Geschirr kaufen, einen Teppich und vorn nahe der Kasse gibt es Kleidung. Blusen, Jacken, Hosen, Mäntel.
Die Kunden und die Angestellten des Kaufhauses sind Hilfsbedürftige und Berechtigte, denen nach dem Hartz IV-Gesetz Leistungen wie eben diese Warenauswahl und eine befristete Tätigkeit auf dem zweiten Arbeitsmarkt zustehen. Vor allem aber sind es Menschen, die in normalen Kaufhäusern längst keine Stammkunden und auf dem ersten Arbeitsmarkt keine bevorzugten Fachkräfte mehr sind.
Einst befand sich im Haus der jetzigen Möbelbörse ein Hotel, später diente es als Schaltzentrale des renommierten Textilbetriebes Plauener Spitze. Nun ist es Anlaufpunkt für Menschen, die ohne Arbeit sind und die nur wenig Mittel haben und die hier eine Kelleretage voller Sachen zum Wohnen und Leben finden. Sie haben sich mit Trotz, mit Hingabe, Würde und Stolz in einer Art Parallelwelt eingerichtet. Letzteres bedeutet, dass man sich hier nicht nur mit Waren eindecken kann. Die Kunden kommen neben dem Einkauf und dem Umsehen auch ins Gespräch, teilen Sorgen, suchen Rat bei den anderen, die in der Börse tätig sind: Den Verkäuferinnen, Möbeltransportern und Helfern, die die Spenden bei den Bürgern in der Stadt und der Region abholen.
Angelika Koppenhagen ist die derzeitige Leiterin des ungewöhnlichen Kaufhauses. „Ich arbeite seit einem halben Jahr in der Einrichtung, für insgesamt ein Jahr bin ich hier untergekommen“, erzählt die Plauenerin, die früher als Änderungsschneiderin ihre Brötchen verdiente, bis ihr Arbeitgeber in Konkurs ging. „Die Waren sind alle gespendet, wobei ich sagen kann, dass die Bereitschaft bei der Bevölkerung zugenommen hat“, erzählt die Leiterin. Die Preise sind sehr moderat, wirbt sie, wobei das teuerste Teil eine Schrankwand um die 350 Euro ausmacht.
Gerade bauen die Kolleginnen von Angelika Koppenhagen mit Gefühl und Geschmack die Dekoration und Waren für die Weihnachtszeit auf. Über 250 Menschen schauen Woche für Woche vorbei, die von 15 Menschen in dem ungewöhnlichen Kaufhaus bedient und beraten werden.
„Vielen, die bei uns tätig sind, gibt die Aufgabe Halt, selten können wir aber Menschen wieder an richtige Arbeitgeber vermitteln“, stellt Matthias Wilhelm Regional-Leiter des Projektes Zukunft fest. „Hier hat man die Chance sich einzubringen, teilzuhaben“, ergänzt Projektmitarbeiterin Silke Heider. So entwickelt sich im Kaufhaus „Möbel- und Textilbörse“ an der Weststraße weiter jeden Wochentag eine eigene, in sich funktionierende Welt, fern vom normalen Alltag.
Von Frank Blenz
2009-11-22
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