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Herausgeber Wilfried Hub Handikap

Die Zeit ist schnelllebig. Viel zu schnelllebig. Leider. Die Top-Themen, die noch vor einigen Wochen tagelang die Zeitungsspalten füllten und die Nachrichten beherrschten, werden ganz schnell zum Ladenhüter, zu Themen, von denen die Öffentlichkeit kaum mehr Notiz nimmt. Dabei stellt sich die allgemeine Teilnahmslosigkeit oft genau dann ein, wenn das öffentliche Interesse besonders wichtig wäre. Die Rede ist vom Plauener Traditionsbetrieb Plamag. Anfang der Woche zog sich der nächste Kaufinteressent zurück. Die Zukunft des einstigen Manroland-Werkes ist damit wieder völlig offen. Doch es gab keinen Aufschrei in der Bevölkerung, keine Demonstrationen in der Plauener Innenstadt, keine Statements der Politiker – das Thema zieht nicht mehr.

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Plauen: Kleingärtner werden immer älter

190809 BlumenPlauen – Die 90 Jahre sieht man ihm nicht an, wenn Herbert Haller mit einem Sonnenhut in seinem farbenprächtigen, wohl gepflegten Kleinod im Kleingartenverein „An der Wildstraße“ unweit des Seehaus-Wohngebietes loslegt. Derzeit verlegt er Platten für den Weg.


Sollte er sich dann doch mal hinsetzen, erzählt der in Reuth aufgewachsene Mann von seinem langen Leben, dem wenigen Geld in jungen Jahren, der Zeit als Fallschirmjäger im Zweiten Weltkrieg auf Kreta, als er Max Schmeling kennenlernte, über seine Arbeitsjahre bei der Bahn – und die Liebe zum Garten. „Ich habe Abnehmer für meine Produkte und finde auch Nachahmer.“


Dieses Miteinander zwischen den Gartenfreunden lobt der Vereinsvorsitzende Klaus Grahl. Nicht umsonst erhielt Haller, der Vollblutgärtner, der am 13. Juni seinen 90. Geburtstag feierte, die Goldene Ehrennadel des Landesverbandes Sachsen der Kleingärtner. „Der Herbert versorgt die ganze Anlage mit seinen Produkten, egal ob Tomaten, Zucchini oder auch Blumen. Und er gibt hilfreiche Tipps.“


Doch dieser Zusammenhalt unter den Laubenpiepern hat auch seine Grenzen. Es fehlen insbesondere die jüngeren Familien. Der Altersschnitt der Mitglieder liege bei 60 Jahren, erfährt unsere Zeitung von Helga Schettler, Geschäftsführerin des Regionalverbands Vogtländischer Kleingärtner. Der Verband erstreckt sich von Plauen und dem alten Landkreis Plauen mit Elsterberg bis ins Obere Vogtland – ohne Klingenthal. Derzeit gehören 7421 Parzellen als Kleingärten zum Regionalverband, 27 weniger als im Vorjahr. Insgesamt 181 Kleingartenvereine.


„Im Gegensatz zu anderen Regionalverbänden gibt‘s bei uns keine leeren Parzellen“, freut sich die Gesprächspartnerin. Die im letzten Jahr noch freien Gärten in den Anlagen Birkenhübel und Reißig seien wieder verpachtet worden. Erste Erfolge in punkto Gärtnernachwuchs gebe es auch schon, denn „wir haben wieder mehr Kinder in unseren Anlagen“, schmunzelt Frau Schettler und meint damit die Enkelkinder vieler Pächter.
Alle drei Gesprächspartner stellen aber klar, ein Kleingarten sei nicht im Vorbeigehen zu erhalten. „Ohne Fleiß – kein Preis“, lacht der 90-Jährige, der dabei auf die im Blickfeld stehenden Rechen, Schaufeln und Gabeln verweist. Von den noch zu verlegenden Fußwegplatten ganz abgesehen. Und in Deutschland gibt es für so etwas auch ein entsprechendes Gesetz: das Bundeskleingartengesetz.

 

In dem ist genau geregelt, was man in einer solchen Anlage darf und was tunlichst zu vermeiden ist. So müsse ein Drittel der Fläche bewirtschaftet werden. Also mit dem Anbau von Obst und Gemüse oder auch Blumen. „Das wird kontrolliert“, unterstreicht die Geschäftsführerin des Regionalverbandes. Werden die gesetzlichen Vorgaben nicht erfüllt, droht eine Erhöhung der Pacht. Um auch Menschen an das bewirtschaftete Grün heranzuführen, denen der besagte grüne Daumen fehlt, wurden im Bereich des Regionalverbands drei Lehrgärten eingerichtet, zwei für den fachkundigen Obstanbau und einen für Kräuter. Hierbei würde sich Frau Schettler eine bessere Zusammenarbeit mit den Kitas und Grundschulen wünschen. In Plauen gebe es nur die Dittesschule, die noch einen Schulgarten besitzt.


Einen Lehrgarten braucht Herbert Haller nicht. Der 90-Jährige weiß, was die Stunde geschlagen hat, egal ob im Frühling bei der Saat oder später bei der Ernte. Die Braunfäule macht ihm heuer, respektive seinen Anpflanzungen, mächtig zu schaffen. Insbesondere die Tomaten traf es besonders hart. Ihre Spuren hinterließen auch die kühlen Nächte im Frühjahr. „Nachtschattengewächse brauchen so ihre 14 Grad Celsius in der Nacht“, begründet er.

 

Außerdem hätten seine Zwiebeln unter der anhaltenden Feuchte gelitten.
Als Haller aufsteht, sagt er nur so nebenbei: „Ich hab nie geraucht, nicht mal bei der Armee und nicht übermäßig getrunken. Das hat mich so alt werden lassen!“ Dieses Rezept dürfte den einen oder anderen Nachahmer finden – vermutlich aber viel mehr Abnehmer finden die Blumen in seinem Kleinod, die er für die gesamte Kleingartenanlage „An der Wildstraße“ zieht.  B. Walther




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