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Herausgeber Wilfried Hub Handikap

Die Zeit ist schnelllebig. Viel zu schnelllebig. Leider. Die Top-Themen, die noch vor einigen Wochen tagelang die Zeitungsspalten füllten und die Nachrichten beherrschten, werden ganz schnell zum Ladenhüter, zu Themen, von denen die Öffentlichkeit kaum mehr Notiz nimmt. Dabei stellt sich die allgemeine Teilnahmslosigkeit oft genau dann ein, wenn das öffentliche Interesse besonders wichtig wäre. Die Rede ist vom Plauener Traditionsbetrieb Plamag. Anfang der Woche zog sich der nächste Kaufinteressent zurück. Die Zukunft des einstigen Manroland-Werkes ist damit wieder völlig offen. Doch es gab keinen Aufschrei in der Bevölkerung, keine Demonstrationen in der Plauener Innenstadt, keine Statements der Politiker – das Thema zieht nicht mehr.

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Presseschau: Deutschland blickt auf Plauen

Plauen – Die Plauener mussten fast 20 Jahre auf eine Richtigstellung der Ereignisse im Herbst 1989 warten, nun scheint es, als ob die Zeit gekommen wäre. Nach und nach wird in diesen Wochen das Geheimnis von Plauen gelüftet und die Geschichte der friedlichen Revolution bekommt ein entscheidendes Kapitel dazu, das jahrelang scheinbar nur in den Köpfen der Plauener existierte.

 

Immer mehr Medien berichten darüber, was alle Plauener bereits wussten. Die Berliner Zeitung brachte es bereits Mitte März dieses Jahres in ihrer Ausgabe auf den Punkt: „Bis heute ist nur wenigen bekannt, dass Plauen im Oktober 1989 die erste Stadt war, wo der Wille zur Revolution und zur deutschen Einheit schon am 7. Oktober massenhaft auf der Straße bekundet wurde.“


Die Vorreiterrolle Plauens ist mit dem Besuch von Bundespräsident Horst Köhler auch von Seiten der Bundesrepublik am Mittwoch offiziell gewürdigt worden. Köhlers Worte „Plauen hatte eine entscheidende Bedeutung“ waren unter anderem in der Bild-Zeitung sowie in der Sächsischen-Zeitung zu lesen. Auch im Programm einiger Radiosender fand die Grundsteinlegung und der Besuch Köhlers einen Platz. Der Deutschlandfunk sendete unter dem Titel „Plauen 20 Jahre danach“ Ausschnitte aus der Diskussion im Malzhaus mit Jugendlichen aus dem Vogtland und Bundespräsident Horst Köhler. Hier sagte das Staatsoberhaupt auch: „Wir wussten damals nichts von dieser Demonstration in Plauen.“


Eine große Öffentlichkeit erfuhr das Thema auch in der ARD. Die Tagesschau als auch die Tagesthemen berichteten über die Ereignisse am 7. Oktober in Plauen. Tagesthemen-Moderator Tom Buhrow kündigte den drei Minuten langen Beitrag über Plauen mit folgenden Worten an: „Das Aufbäumen der DDR-Bürger gegen ihren Staat verbindet man mit den Montagsdemos in Leipzig, dabei übersieht man in der Regel die Rolle, die der kleine sächsische Ort Plauen für das Ende der DDR spielte. Dort fand die erste Großdemo statt, vor der die Obrigkeit einknickte.“

 

Neben Beiträgen im Fernsehen und im Radio ist Plauen auch im Internet derzeit stark vertreten. Ob beispielsweise bei Wikipedia als Artikel des Tages oder mit zahlreichen Einträgen beim Kurzmitteilungsdienst Twitter, auf unzähligen Portalen und Nachrichtenseiten taucht die Geschichte von Plauen auf. Während Oberbürgermeister Ralf Oberdorfer Horst Köhler empfing, wurde auf der Seite Bundesregierung.de ein Interview mit dem OB veröffentlicht. Auch ein Artikel mit der Überschrift „Plauen – ein fast übersehenes Kapitel der Friedlichen Revolution“ ist zu lesen.

 

Darin heißt es: „Beinahe hätte die Öffentlichkeit davon nichts erfahren: von der ersten Großdemonstration, die die DDR-Volkspolizei nicht mehr auflösen konnte.“ „Gedenken in Plauen an erste Großkundgebung“, titelte der Nachrichtendienst von Yahoo!. Bei Welt Online war zu lesen: „Die Tragik an der Plauener Demonstration sei, dass es von ihr keine Bilder gab, sagt der Leiter des Berliner Forschungsverbundes SED-Staat, Klaus Schroeder. Deshalb habe sie auch anders als der 9. Oktober in Leipzig keine Signalwirkung in das Land gehabt.“

 

„Für Freiheit und Bürgerrechte - Der Massenprotest von Plauen“, hieß ein Artikel des Kölner Stadt-Anzeigers in der Ausgabe am Dienstag. Der Westen im Ruhrgebiet schrieb: „Es war lebensgefährlich... Sie sind Demonstranten der ersten Stunde.“ Auch die Frankfurter Rundschau berichtete wie zahlreiche andere Tageszeitungen von der Rolle Plauens vor genau 20 Jahren. Einen deutlichen Anstoß bekam der Medienrummel vor allem durch einen Artikel im Magazin Spiegel, der in seiner 30. Auflage dieses Jahres schrieb: „Im sächsischen Vogtland kämpft eine Stadt um ihren Platz im Geschichtsbuch.“ Worte, die sicher viele Plauener etwas stolzer machen. Lange mussten sie darauf warten. mar

 

2009-10-09




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