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Herausgeber Wilfried Hub Handikap

Die Zeit ist schnelllebig. Viel zu schnelllebig. Leider. Die Top-Themen, die noch vor einigen Wochen tagelang die Zeitungsspalten füllten und die Nachrichten beherrschten, werden ganz schnell zum Ladenhüter, zu Themen, von denen die Öffentlichkeit kaum mehr Notiz nimmt. Dabei stellt sich die allgemeine Teilnahmslosigkeit oft genau dann ein, wenn das öffentliche Interesse besonders wichtig wäre. Die Rede ist vom Plauener Traditionsbetrieb Plamag. Anfang der Woche zog sich der nächste Kaufinteressent zurück. Die Zukunft des einstigen Manroland-Werkes ist damit wieder völlig offen. Doch es gab keinen Aufschrei in der Bevölkerung, keine Demonstrationen in der Plauener Innenstadt, keine Statements der Politiker – das Thema zieht nicht mehr.

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Plauener bekommen Gänsehaut beim Zug der Freiheit

021009 HaubenreißerPlauen – „Wir sind das Volk“, „Schließt euch an“, schallte es am Donnerstag über den  Oberen Bahnhof in Plauen. Eingefahren war der „Zug der Freiheit“, und mit diesem eine Gruppe junger Dresdner des Vereins Kultur Aktiv, die stimmgewaltig mit Plakaten von vor 20 Jahren an die Wendezeit erinnerten.

 

So mancher der zahlreichen Plauener und Vogtländer, die auf den Bahnsteig 5 gekommen waren, bekam Gänsehaut bei den Rufen, die ihm doch so wohlvertraut waren. Gegen die Rufe behaupten musste sich dieses Mal der Kulturbetriebsdirektor der Stadt, Friedrich Reichel, der die Besucher und Mitfahrer der Zuges in Plauen begrüßte.


 17 Uhr schleppte eine Diesellokomotive russischer Bauart die inzwischen historischen Reichsbahn-Waggons in den Bahnhof. Auf den Tag genau 20 Jahre nach der Flucht Tausender DDR-Bürger von Prag in den Westen fährt der Sonderzug die damalige Strecke noch einmal ab. „Wir wollen aber keinen neuerlichen Flüchtlingszug gestalten“, betonte Organisator Mirko Sennewald vom Verein Kultur Aktiv. Den Veranstaltern sei es vielmehr wichtig, „die Ereignisse von 1989 vor allem jungen Menschen begreiflich zu machen.“ Kultur Aktiv setze dabei auf Kunst und Kultur als Vermittlungsinstrument, sagte Sennewald.


 Im Zug waren deshalb nicht nur Zeitzeugen unterwegs, sondern auch Künstler und 25 Jugendliche aus sieben europäischen Ländern. Diese begrüßte Reichel in Englisch und verwies zugleich auf den Umgestaltungsprozess in ganz Osteuropa.  Bereits vor Ankunft des Zuges hatte im Bahnhofsfoyer Hubert Kuhn eine Menschentraube um sich gesammelt als er von seinen Eindrücken als Flüchtling in der Prager Botschaft erzählte. Mit Frau und drei kleinen Kindern hatte er drei Monate dort ausgeharrt „zwischen Bangen und Zuversicht und der Frage was kommt dann“. Auch der Dresdner Musiker Markus Rindt, der mit der zweiten Flüchtlingswelle am 4. Oktober 1989 in der Prager Botschaft ankam, erinnerte an die Fahrt noch am gleichen Tag, „vorbei an meiner Heimatstadt und immer Ausschau haltend, ob Eltern oder Freunde noch einmal zu erblicken wären“.


 Einer, der vor 20 Jahren immer wieder hin zum Plauener Oberen Bahnhof kam, um eventuell unter den Ausreisenden einen Freund zu erkennen und ihm zuzuwinken, war der Plauener Thomas Haubenreißer. „Rias Berlin hatte verkündet, wann die Züge in Hof erwartet werden. Und da bin ich etwa eine Stunde vorher hin zum Bahnhof. Allerdings kam ich immer nur bis zur Fußgängerunterführung. Dort hatten Sicherheitskräfte bereits den weiteren Zugang versperrt. Aber die aus den Fenstern gelehnten Leute und ihre Jubelrufe haben sich in meinem Gedächtnis festgesetzt“, erzählte der Plauener FDP-Stadtrat, der gestern seinen 38. Geburtstag feierte.


 Zur Weiterfahrt über Gutenfürst und Hof stiegen Jugendliche aus Weischlitz und Plauen ein. Auch die beiden Oberbürgermeister von Hof und Plauen, Harald Fichtner und Ralf Oberdorfer, suchten sich einen Platz in einem der ehemaligen Waggons. Manche der Abteile waren sehr authentisch: Zugestellt mit Rucksäcken, die Aschebehälter vollgestopft mit Abfällen. Als der Zug sich nach einer Stunde in Bewegung setzte, konnte sich mancher den Zuruf „kommt aber wieder“, nicht verkneifen. Jubel drang aus den Wagen und auch eine Handvoll Münzen wurde auf den Bahnsteig geworfen. M. T.

 

Eine Sonderseite dazu finden Sie in unserer Freitagsausgabe (02.10.2009).

 

2009-10-03




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