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Herausgeber Wilfried Hub Handikap

Die Zeit ist schnelllebig. Viel zu schnelllebig. Leider. Die Top-Themen, die noch vor einigen Wochen tagelang die Zeitungsspalten füllten und die Nachrichten beherrschten, werden ganz schnell zum Ladenhüter, zu Themen, von denen die Öffentlichkeit kaum mehr Notiz nimmt. Dabei stellt sich die allgemeine Teilnahmslosigkeit oft genau dann ein, wenn das öffentliche Interesse besonders wichtig wäre. Die Rede ist vom Plauener Traditionsbetrieb Plamag. Anfang der Woche zog sich der nächste Kaufinteressent zurück. Die Zukunft des einstigen Manroland-Werkes ist damit wieder völlig offen. Doch es gab keinen Aufschrei in der Bevölkerung, keine Demonstrationen in der Plauener Innenstadt, keine Statements der Politiker – das Thema zieht nicht mehr.

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Freie Meinungsäußerung vor 20 Jahren erstritten

Plauen – Plauens Oberbürgermeister Ralf Oberdorfer teilt die Meinungsäußerung von Daniela Seidel, Leiterin des Büros des Plauener Dachverbandes Stadtmarketing, im Stadtmagazin „Kompass“ nicht, schreibt er in einer Mitteilung an Stadtrat Prof. Dr. Lutz Kowalzick und antwortet ihm damit gleichzeitig auf seine Schnellanfrage.

Im 17. Heft des Stadtmagazin „Kompass“, das in ganz Westsachsen verteilt wird, äußerte sich Daniela Seidel unter der Überschrift „20 Jahre danach“ wie folgt: „Mit etwas Abstand zu den Ereignissen kann man aber jetzt sagen, dass es vielleicht falsch war, damals alles einfach über Bord zu werfen. Heute würde man die Dinge sicher mit mehr Besonnenheit angehen. Trotzdem war nicht alles schlecht in der DDR. Zum Beispiel wussten unsere Eltern, dass uns eine einigermaßen sichere Zukunft bevorsteht. Heutzutage müssen die Kinder schon frühzeitig die Weichen stellen, um später einmal eine gute Chance zu haben.“ Diese Passage veranlasste Prof. Kowalzick, an Plauens Oberbürgermeister Ralf Oberdorfer die Schnellanfrage zu stellen.

Auf die Frage, ob der OB und die Verwaltung diese Auffassung teilt, schrieb der Rathauschef in seiner Antwort: „Ich nicht, für rund 800 Beschäftigte der Verwaltung kann ich jedoch bezüglich ihrer privaten Meinung nicht in Vertretung sprechen.“

Kowalzick zweifelte an, ob die genannte Äußerung – auch als private Meinungsäußerung – dem Ansehen der Stadt Plauen und dem erfolgreichen Stadtmarketing dienlich sind. Der Professor wollte auch wissen, was die Stadt zu unternehmen gedenkt. Darauf der OB: „Wenn Sie meinen, was ich gegen eine Äußerung von Frau Seidel zu unternehmen gedenke, muss ich Ihnen antworten, dass wir in den Oktobertagen vor exakt 20 Jahren auch die freie Meinungsäußerung auf den Straßen Plauens friedlich erstritten haben.“

In dieser Woche wurde beim Mitglieder-Stammtisch bekannt, dass Daniela Seidel den Dachverband zum Jahresende und damit auch das Büro gegenüber der Tourist-Information verlassen wird. Nach fast vier Jahren möchte sie sich neuen beruflichen Herausforderungen widmen, sagte sie. Ob diese Entscheidung eventuell auch etwas mit den Äußerungen zu tun haben könnte, ließ Seidel offen. Der Dachverband Stadtmarketing Plauen bündelt die Interessen und Ziele Plauener Akteure und vertritt diese in den verschiedensten Bereichen. Dem Verband gehören rund 40 Mitglieder an. mar

2009-10-25




Kommentar von _Plauener am 26.10.2009; 07:00:10 Uhr

Kommentar zu Freie Meinungsäußerung vor 20 Jahren erstritten

Na bitte! Herr Kowalzick hat es also geschafft, diese Frau aus ihrem Job zu vertreiben. Man könnte fast meinen, die frühere SED-Diktatur soll jetzt durch eine CDU-Diktatur ersetzt werden. Wer nicht spurt, und die DDR nicht entsprechend schlecht findet, der ist eben nicht geeignet für Jobs im öffentlichen Bereich. Sollen all jene ihre Meinung unterdrücken, wenn sie der CDU-Version nicht entspricht??? Da kann man nur sagen: Die Situation ist ja noch viel schlimmer heutzutage, als sie von Frau Seidel geschildert wurde. Jedenfalls weiß man jetzt ein für allemal, was man von diesem Herrn Stadtrat und seiner Partei zu halten hat.

Kommentar von _Umdenker am 26.10.2009; 19:28:55 Uhr

Kommentar zu Freie Meinungsäußerung vor 20 Jahren erstritten

Das CDU Geschichtsbild lässt kaum freie Meinungsbildung in Sachen DDR Vergangenheit zu. Man ist stets bestrebt die DDR auf Stasi und Mauer zu reduzieren. Die Gefahr besteht offenbar darin, dass die Bürger erkennen könnten, dass sie nur die eine Diktatur gegen eine Andere getauscht haben. Es muss wie in der DDR verhindert werden, dass irgendjemand ernsthaft die Machtfrage stellt. Wir waren ein Volk 1989. Nun sind wir Alleintänzer im Nirwana der sozialen Ängste.

Kommentar zu Freie Meinungsäußerung vor 20 Jahren erstritten ?

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