Hub-Blog "Ansichtssache" jeden Samstag neu...

Herausgeber Wilfried Hub Handikap

Die Zeit ist schnelllebig. Viel zu schnelllebig. Leider. Die Top-Themen, die noch vor einigen Wochen tagelang die Zeitungsspalten füllten und die Nachrichten beherrschten, werden ganz schnell zum Ladenhüter, zu Themen, von denen die Öffentlichkeit kaum mehr Notiz nimmt. Dabei stellt sich die allgemeine Teilnahmslosigkeit oft genau dann ein, wenn das öffentliche Interesse besonders wichtig wäre. Die Rede ist vom Plauener Traditionsbetrieb Plamag. Anfang der Woche zog sich der nächste Kaufinteressent zurück. Die Zukunft des einstigen Manroland-Werkes ist damit wieder völlig offen. Doch es gab keinen Aufschrei in der Bevölkerung, keine Demonstrationen in der Plauener Innenstadt, keine Statements der Politiker – das Thema zieht nicht mehr.

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Was das Vogtland und Südtirol verbindet

Oelsnitz – Südtirol und das Vogtland verbindet mehr als zwei – zugegeben unterschiedlich hohe – Gebirge. „Zwei Regionen – eine Geschichte“ – unter diesem Motto stellte die Volksbank Vogtland am Samstag die Beziehung her.


Im Fürstensaal von Schloss Voigtsberg empfing das Kreditinstitut nun zum zweiten Mal Kunden und Gäste bei einem kulturellen Ereignis, darunter Oberbürgermeisterin Eva-Maria Möbius. Die weiteste Anreise hatten sieben Brixener Schützen, angeführt von Bezirksmajor Josef Kaser. Mitgebracht hatte er die „Young Music Band“ aus seinem Heimatort Vintl, welche den Gästen schwungvoll im Schlosshof aufspielte.


Walter Klaubert, Vorstandsmitglied der Volksbank, stellte den historischen Bezug her. 1809 gelang es den Südtirolern unter Andreas Hofer dreimal sich aus der Fremdherrschaft der mit Napoleon verbündeten Bayern zu befreien, bevor sie der Übermacht des Franzosenkaisers erlagen. In der Nähe von Franzensfeste im Eisacktal wurde am 4. und 5. August 1809 ein Verband von 500 Tiroler Schützen im Hinterhalt von französischen Truppen aufgerieben. Den Verband verstärkte ein größeres Kontingent sächsischer Truppen, welche die Hauptlast des Kampfes trugen. Darunter waren auch Soldaten aus dem thüringischen Vogtland, wie Museologe Gerd Naumann ausführte. Die historische Örtlichkeit erhielt den Namen „Sachsenklemme“.


Die Niederlage besiegelte das Schicksal von Andreas Hofer. Er wurde in seinem Versteck verraten, in Mantua vor Gericht gestellt und fiel unter den Kugeln eines Exekutionskommandos. Das Andreas-Hofer-Lied ist seit 1948 Tiroler Landeshymne. Das Julius-Mosen-Gymnasium und sein Förderverein unterhalten seit Jahren Kontakte zu den Südtiroler Schützen. Zum 200. Jubiläum des Ereignisses in der „Sachsenklemme“ nahm Anfang August auch eine Delegation der Oelsnitzer Schule an den Feierlichkeiten teil.


Im Mittelpunkt der Volksbank-Matinee stand die szenische Lesung „Leo versus Aquilam“ – (bayrischer) Löwe gegen (Tiroler) Adler von Maximilian Naumann. Der junge Mann – einst versierter Stückeschreiber für die Theatergruppe Planschwitz/Magwitz – greift das historische Geschehen in der Sachsenklemme auf und betrachtet es aus verschiedenen Perspektiven. „Dabei kommen aufständische Tiroler ebenso zu Wort wie zu ihrer Niederlage entsandte Bayern und ein Rheinbundsoldat aus der Herrschaft Reuß-Greiz, der am Sinn seines Handelns zweifelt“, so Gerd Naumann. Der Vater des Autors war Berater, Co-Autor und Moderator der Lesung, die von der Theatergruppe des Gymnasiums unter Leitung von Beate Eckstein spannend in Szene gesetzt wurde.


Der zwar verloren gegangene Freiheitskampf der Tiroler sei ein leuchtendes Beispiel für die Macht des Volkes, das gegen erlittenes Unrecht kämpft, erklärte Naumann die Faszination der Geschichte. Starker Beifall der rund 100 Gäste dankte den Akteuren. „Ich bin wirklich berührt. So war es!“, äußerte Josef Kaser begeistert. Ein Wunder sei es, dass sich Tiroler und Vogtländer nach 200 Jahren die Hände reichen können. Ein Vorab-Besuch des neuen Deutschen Teppichmuseums auf Schloss Voigtsberg, das Anfang kommenden Jahres seine Pforte öffnet, rundete das Treffen ab. Zum leckeren Südtiroler Imbiss gaben die Schützen aus Brixen gekonnt ein mehrstimmiges Ständchen. Im Hofhatte Mosen´s Brass Band die Unterhaltung übernommen.  R. W.

 

2009-09-29




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