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Die Zeit ist schnelllebig. Viel zu schnelllebig. Leider. Die Top-Themen, die noch vor einigen Wochen tagelang die Zeitungsspalten füllten und die Nachrichten beherrschten, werden ganz schnell zum Ladenhüter, zu Themen, von denen die Öffentlichkeit kaum mehr Notiz nimmt. Dabei stellt sich die allgemeine Teilnahmslosigkeit oft genau dann ein, wenn das öffentliche Interesse besonders wichtig wäre. Die Rede ist vom Plauener Traditionsbetrieb Plamag. Anfang der Woche zog sich der nächste Kaufinteressent zurück. Die Zukunft des einstigen Manroland-Werkes ist damit wieder völlig offen. Doch es gab keinen Aufschrei in der Bevölkerung, keine Demonstrationen in der Plauener Innenstadt, keine Statements der Politiker – das Thema zieht nicht mehr.
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Oelsnitz vor Zerstörung bewahrt
Oelsnitz – Erinnerungen an das Kriegsende in Oelsnitz schildert der achte Band der Voigtsberger Museumsreihe unter dem Titel „Vor 65 Jahren – Schicksalstage“ – Untertitel: „Die kampflose Einnahme der Stadt Oelsnitz am 16. April 1945 durch amerikanische Truppen“. Die Neuerscheinung wird vom Herausgeber, der Oelsnitzer Stadtmarketing GmbH, heute, 19 Uhr, im Fürstensaal von Schloss Voigtsberg der Öffentlichkeit vorgestellt.
Die Autoren Helmut Schwab und Gerd Naumann gaben zusammen mit Geschäftsführer Eckardt Scharf einen Vorgeschmack auf die drei Beiträge der Broschüre. Doch zunächst wandte sich Thomas Lehniger, der Vorsitzenden des Schloss-Fördervereins, mit einem Aufruf an die Öffentlichkeit, das Werk zu kaufen. Weil die Stadt aufgrund ihrer Haushaltslage die Unterstützung für alle Vereine kürzen musste, habe der Verein „aus eigener Kraft die Sache auf gesunde Beine gestellt“, das heißt die Mittel für die Drucklegung vorgeschossen. Die Broschüre muss sich also durch ihren Verkauf refinanzieren.
Gemeinsam beleuchten Schwab und Naumann im ersten Beitrag ein wenig bekanntes Kapitel – den Einsatz von Luftwaffenlehrlingen zur Reparatur von Kampfflugzeugen im Oelsnitzer Teppichwerk Koch&te Kock. Dies war, so Naumann, eine Tätigkeit, die geheim vor sich ging. Untergebracht waren die zwei Gruppen junger Leute, die von weither unter den Gefahren des Krieges herangeschafft wurden, im Spartenheim der Gartenanlage „Erholung“.
Die Dokumente deuteten darauf hin, dass nicht nur Einzelteile, sondern in der Schlussphase ganze Flächensätze von Heinkel- und Messerschmidt-Kampfflugzeugen gefertigt wurden. Hätten die Alliierten von dieser Kriegsproduktion erfahren, wäre Oelsnitz zum Ziel von Bombenangriffen geworden, meinte der Historiker. Herzstück der neuen Broschüre sei eine Schülerarbeit, erklärte Schwab. Es ist die „Besondere Lernleistung“, welche Randy Eltermann und Stefanie Franz – mittlerweile Absolventinnen des Julius-Mosen-Gymnasiums – vor rund zwei Jahren erarbeiteten. Es geht dabei um das mutige Handeln von Oberstleutnant Karl Adolf Hönnicke – bis 1945 Leiter des Wehrmeldeamtes – und von Hauptmann Albert Frotscher, der am 14. April 1945 von der Front nach Oelsnitz kam.
Beide hatten den Befehl, die Kreisstadt bis zur letzten Patrone gegen das anrückende 347. Infanterie-Regiment der Amerikaner zu verteidigen, verhinderten aber den sinnlosen Kampfeinsatz – und retteten damit Menschenleben und Oelsnitz vor der Zerstörung. Die beiden Schülerinnen konnten für ihre Arbeit auf die Tagebuchnotizen Frotschers zurückgreifen, in die ihnen dessen Tochter, Erika Franke, Einsicht gewährte. Im dritten Beitrag des Heftes widmet sich Schwab dem Besuch eines amerikanischen Kriegsveteranen 1995 in Oelsnitz.
Ergänzt wird die literarische Präsentation mit einer Vorführung des Films „Der 9. Mai 1945 im Vogtland – Wie 40 000 deutsche Soldaten in Kriegsgefangenschaft gehen“ von Heintje Peter, einem Filmemacher, der aus Schöneck stammt. Das neue Museumsheft gibt es danach im Fürstensaal beziehungsweise im Zoephelschen Haus und im Museumsshop für fünf Euro. R. W.
2010-09-19
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