Hub-Blog "Ansichtssache" jeden Samstag neu...

Herausgeber Wilfried Hub Handikap

Die Zeit ist schnelllebig. Viel zu schnelllebig. Leider. Die Top-Themen, die noch vor einigen Wochen tagelang die Zeitungsspalten füllten und die Nachrichten beherrschten, werden ganz schnell zum Ladenhüter, zu Themen, von denen die Öffentlichkeit kaum mehr Notiz nimmt. Dabei stellt sich die allgemeine Teilnahmslosigkeit oft genau dann ein, wenn das öffentliche Interesse besonders wichtig wäre. Die Rede ist vom Plauener Traditionsbetrieb Plamag. Anfang der Woche zog sich der nächste Kaufinteressent zurück. Die Zukunft des einstigen Manroland-Werkes ist damit wieder völlig offen. Doch es gab keinen Aufschrei in der Bevölkerung, keine Demonstrationen in der Plauener Innenstadt, keine Statements der Politiker – das Thema zieht nicht mehr.

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Mittelalter Kleidung aus Netzschkau

Netzschkau – Das Mittelalter ist eine legendäre Zeit, die heute in vielen Orten bei so genannten Mittelalterspektakeln oder Ritterturnieren wieder lebendig wird. Wie lebten die Menschen damals? Was aßen sie? Wie heilten sie Krankheiten? Wie kleideten sie sich? – Die Anzahl derer, die sich für diese Themen interessiert, wird immer größer. Längst gibt es auch in unserer Region eine feste „Mittelalterszene“, die sich regelmäßig trifft – natürlich entsprechend gewandet.


Zur Szene gehören seit vier Jahren Michael und Cornelia Beczkowski, wobei Letztere dafür sorgt, dass – wer möchte – in entsprechender Gewandung zum Treffen erscheinen kann. Die gelernte Damenmaßschneiderin bekam zu DDR-Zeiten bei der PGH Bekleidung in Reichenbach jene Fertigkeiten vermittelt, die ihr im April 2008 den Sprung in die Selbstständigkeit als Schneiderin ermöglichten. Heute gibt Cornelia Beczkowski ihre Kenntnisse an Interessierte weiter – zum Beispiel an der Netzschkauer Mittelschule. Und sie ist für viele Netzschkauer Anlaufstelle, wenn Kleidungsstücke zu ändern sind. Die Maßschneiderei hat sie nicht aufgegeben, fertigt Kleider, Röcke und Hosen für Frauen und Kinder. Hinzu kommen die Mittelalter-Gewandungen. Etwas ganz Besonderes. Auf diesem Gebiet kann sie ihrer Kreativität freien Lauf lassen.


Vor zehn Jahren etwa waren die Beczkowskis zum ersten Mal auf einem Mittelalterspektakel – in Mylau. Es gefiel ihnen so gut, dass sie – gemeinsam mit Freunden – Dauergäste bei derartigen Veranstaltungen wurden. „Der Eintritt war schon damals teuer. Deshalb haben wir uns irgendwann überlegt, dass es schöner wäre, mittelalterlich gekleidet zu den Events zu gehen. Damit hatte man zugleich auch noch freien Eintritt zum Festgelände.“ Heute sind Beczkowskis Ehrenmitglieder beim Veranstalter aller vogtländischen Mittelalterspektakel, der Coex aus Cottbus. „Und obwohl es heute für Gewandete nur noch ermäßigten Eintritt gibt, wollen immer mehr Menschen ein Mittelalter-Outfit haben. Das Ganze ist sehr im Kommen“, sagt Cornelia Beczkowski. Die erwünschten Outfits reichen von der Ritterrüstung und dem Knappengewand bis hin zur Tracht der Handwerker oder den Gewändern der Burgfräuleins.
„Ich habe viel über die Zeit gelesen, um Mittelaltergewandungen so originalgetreu wie möglich herstellen zu können.“ Das Magazin der Szene, „Karfunkel“, hat Cornelia Beczkowski abonniert. „Dort bekommt man immer sehr gute Anregungen. Und mitunter sind auch Schnittmusterbögen beigelegt.“


Die 47-Jährige selbst hat mittlerweile drei verschiedene Mittelalter-Kleider im Schrank hängen – alle aus Eigenproduktion. Das heißt aber nicht, dass es bei diesen drei Modellen bleibt. Wenngleich die Schneiderin momentan so viel zu tun hat, dass sie kaum dazu kommt, sich eigene Wünsche zu erfüllen. Die großen Mittelalterspektakel in Greiz, Elsterberg, Mylau und Netzschkau sind zwar vorbei, aber ein Highlight steht in diesem Jahr noch an. Der historische Märchenzauber, ein am 19. und 20. Dezember in Reichenbach stattfindender Weihnachtsmarkt. Klar, dass Cornelia Beczkowski dort vorbei schauen wird.  Ho

 

2009-11-22




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